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Das Notfalltelephon

Das Notfalltelephon.


Ich hatte ein mal ein mobiles Telephon, - ein Handy, wie man sagt.

   An fing es mit einen Siemens, ein S52. In der damaligen Zeit der letzte Renner. Ich hatte mit dem Ding auch viel Spaß. Ich konnte jetzt mein Walkman ausmustern und dies Neue benutzen, wenn ich des abends oder Wochenendes mit Harras unterwegs war.

   Irgendwann starb Harras, und ich schaffte mir Jahre keinen anderen Begleiter an. Ich war auch wieder ständig stärker im Betrieb erforderlich und hatte ich dann endlich Feierabend, dann suchte ich Ruhe auf der Couch oder ging gleich ins Bett. So arbeitete ich eine ganze Weile vor mich hin, die Kinder waren nach und nach ausgezogen und gestalteten ihr eigenes Leben.

   Dann quartierte Jan Tilo bei mir den Rex ein, weil der sich im Taunus mit dem anderen Hund auf dem Hof, welcher da schon vor ihm zuhause war, nicht recht vertrug. Als Jani mit Rex zu mir herein kam, schaute sich letzterer kurz um, entschied, daß unter dem Couchtisch ein guter Platz war – und dort machte er es sich dann gemütlich, - und so blieb es dann auch.

   Einige Jährchen lebten wir dann gemeinsam zufrieden vor uns hin, frühmorgens schickte ich den Rex in den Garten, er hatte die noch vorhandene Hütte von Harras entdeckt und auch in Beschlag genommen, - und Abends, wenn ich heim kam begrüßte er mich erfreut, denn er hörte mich schon mit dem Auto um die Ecke kommen. So hätte es weitergehen können, wenn es mich nicht morgends auf der Arbeit aus den Latschen gezogen hätte. - Schlaganfall mit Hirnblutung, erfuhr ich später die Diagnose.
[Ich habe an anderer Stelle schon darüber berichtet.]

   Als wir, Rex und ich, dann in unserem neuen Zuhause in Bad Schwalbach unseren Tagesablauf strukturierten, - zunächst zwischen 6.00-8.00 den Morgengang rüber in den Park, dann Frühstück und Information, statt Zeitung aus dem www-Net, bis zum Mittag Allfälliges und dann nachmittags Richtung Waldsee und/oder weiter ne Biege durch den Wald, über die Platte zum Rötelbachtal runter und am Kurhaus vorbeigehend wieder heim, oder auch bischen anders wo rum. So bekamen wir den Tag vollbracht, und ich hatte meistens mein Handy und Kopfhörer dabei. Ich besaß mittlerweile das Samsung S2. Auch damit konnte ich mich mit Musik berieseln lassen, oder wir schauten uns, wenn wir auf ner Bank saßen einen Videoclip an. - Oder wir konnten tel. Hilfe rufen, wenn uns was war. Wir waren also gut gerüstet und fühlten uns sicher.

   So berichtete ich das auch meinen ehemaligen Klassenkameraden, als während eines Jahrgangstreffen in Alzey die Frage kam, wie wir denn nun unsere Tage verbrächten.

   „HmHm -“ wurde das abgenickt. - Dann glomm ein Grinsen auf. - Murmeln. - Mehr grinsen. Dann erkundigte sich jemand :

   „Hast du den Rex auch eingewiesen ? Weiß er wo er draufdrücken muß ? Und was sagt er dann, wenn du auf dem Waldweg liegst ?“

   Immer mehr trugen mit Tipps zur Lösung bei, - es wurde irgendwie recht albern. Wir verblieben, daß man diese Aufgabenstellung noch etwas bearbeiten müßte, einige Optimierung wäre von Nutzen. Eine Lösung wurde vertagt.



Einige Jahre lebten wir, trotz dieser kleinen „Systhemschwäche“ recht zufrieden vor uns hin, - als dem Rex auf einem Spaziergang ein Bewegungsausfall seiner hinteren Läufe ereilte. Er konnte diese nicht mehr einsetzen und ruderte ziellos mit den Vorderbeinen über den Boden. Er war aber auch schon recht alt geworden, und die Ausgänge hatte er zuletzt immer öfter durch Wegkürzungen vermindert.

   Ich brachte ihn zu seiner Ärztin, die ihn zunächst mal stationär aufnahm. Es war fast 23.00Uhr, als mein Telephon klingelte, - ich solle doch mal gleich in die Praxis kommen.

   Ich ging unverzüglich die Straße rauf, - mir schwante nix gutes !


   Nun gut, ich wurde über die Siuation unterichtet und mußte die Entscheidung treffen : Hinüber helfen, über die Regenbogenbrücke, oder noch paar Tage dahinsiechen lassen. - „Ich komm ja auch gleich,“ sagte ich ihm. „Nur ein Wimpernschlag, gemessen an der Ewigkeit !“ - Dann entschied ich.

Ich hab mich nicht mehr zu einem anderen Nachfolger durchringen können.



Gut 2 Jahre ist Rex nun schon gegangen.

   Meine Tagesplanung beginnt sich, bar jeder Verpflichtungen, aufzulösen. Ich verbringe noch mehr Zeit mit meinen Hobbys, - oder ich verbringe die Zeit mit nix ! Niemand zwingt mich, niemand treibt mich. Wenn ich müde bin, gehe ich ins Bett. Kann ich nicht schlafen, - Licht an und was lesen. - Oder ich stehe doch noch mal auf und schau, obs was zu schauen giebt. Mein Handy, bzw. Smartphone, habe ich stillgelegt, ich bin ja im selben Raum wie mein Telephon. - Und wenn ich mal einen Spaziergang mache, dann bin ich nicht da. Anrufbeantworter höre ich nicht ab.

   An einem der letzten Sonntage des fortgeschrittenen Abends, entschloß ich mich, doch noch mal die paar Schritte runter ins Bistro zu gehen, mir einen Schlummertrunk zu genehmigen. Ich stieß da auch auf 2-3 mir bekannte recht nette Leute, da jedoch die Sperrstunde ins Blickfeld geriet, verabschiedete ich mich auch alsbald wieder, zufrieden die Füße bergauf gen meinem Appartement zu lenken. Ich hatte auch ein leichtes Flimmern im Sehbereich rechts bemerkt, mir auch schon bekannt vom früheren sporadischem Auftreten, also, Schlüssel rumdrehen und bettfertig machen. Sodann begab ich mich nochmal auf einen kurzen Blick vor meinen Monitor, um dann das Netz zu schließen und den Strom auszuschalten. Ich stand auf, lenkte meinen Schritt Richtung Schlafraum. Ein Schritt – mir wurde blümerant, es schwand das Licht, ich wollte mich an der Wandecke festhalten, ich bekam nichts zu fassen, links verhedderte sich mein Fuß, es schepperte vernehmlich, Beine waren nicht mehr da, etwas haute mir empfindlich rechts ins Kreuz, ich merkte wie mein Kopf auf den zum Glück noch recht voluminösen Berber plumpste – buuhaärgh uhhhhhh. –

   Ich blieb erst mal erschreckt liegen.

   Es war wieder hell.

   Orientieren !

   Ich lag auf dem Rücken, vor meiner Couch, halb unter dem gläsernen Couchtisch, anderthalb Schritte entfernt von meinem Schreibtischsessel.

   „Man, da hats mich aber hingehaun“, sinnierte ich. Ich bereitete mich vor, unter dieser etwas engen Stelle rückwärts liegend hervor zu kriechen. Nur Becken etwas heben, Ellenbogen und Hacken schiebend rausbewegen.

   Also,
Ellbogen aufstützen : uuumpff – nix, ich kam nicht frei. Die Füße ließen sich etwas anheben, doch wenn ich die zum Boden stemmte um den Arsch anzulupfen – wie angetackert.

   „Scheiße !“
Nochmal ! - Und Nochmal ! - Und jetzt – oouuugrrchch ! Keine Bewegung !

   „Das wird’s doch nicht schon gewesen sein ?“ Mir kam das mit dem Wimpernschlag in den Sinn.

Ich bemühte mich etliche male noch, auch nur andeutungsweise frei zu kommen, ich hatte keinen Erfolg.

   „Dann kann ich auch genausogut hier liegenbleiben,“ sagte ich mir. „Soo kalt ists hier ja nicht, und die Bodenheizung ist ja auch etwas an. „ Ich ließ mich wegsacken und war wohl recht schnell eingedämmert.

   Es graute der Morgen, als ich die Augen aufmachte. Vom Liegen auf den trotz Berber doch noch hartem Teppich schmerzten mir alle Knochen.
Erst mal die Arme wieder auf Gängigkeit prüfen, nahm ich mir vor. Diesmal ging das einigermaßen. Nun die Beine. Die ließen sich anheben und sie ließen sich knicken.

   „Jetzt sollte ich den Arsch entlasten, mit den Ellenbogen schieben und die angewinkelten Haxen auf den Boden stemmen und Fuß strecken – uff !

   Es hat sich bewegt ! Einen halben Zentimeter ! Und nochmal – und nochmal – und ….. kleine Pause – und nochmal – und nochm.... . Es dauerte ne habe Stunde, bis ich mich zwischen Couch und Glastisch hervorgeschoben hatte. Und nochmal ne viertel Stunde, bis ich mich in Sitzposition aufrichten konnte. Dann unter viel Geächze und Stöhnen stand ich auf meinen zwei Füßen. Ich stützte mich vorsichtig an der Wand ab und begab mich vorsichtig an mein Bett und ließ mich sehr langsam darauf nieder, sodaß ich auf dem Rücken zu liegen kam. Nun folgte eine ausgedehnte Pause. Und dann schlief ich wohl ein.

   Als ich wieder erwachte war es heller Mittag. Ich mußte auf Toilette. Also , Decke weg schlagen Füße über den Bettrand schwingen …... - aber da schwang sich nichts.

   „Jetzt geht das Theater schon wieder los !“ sagte ich mir entnervt. - Es dauerte ne geschätzte viertel Stunde, bis ich mich aus dem Bett geschält und auf meine 2 Beine aufgerichtet hatte. Daß ich bei dieser Aktion nicht noch mir an die Beine gepinkelt hatte, zeugt von meiner umsichtigen Selbsbeherrschung. (grins)

   2 – 3 Tage mußte ich die Quälerei bei jedem Aufstehen durcherleben, dann wurde es allmählich besser. Wenn ich Tagsüber an meinem Schreibtisch verbrachte, den Kippmechanismus blockiert, den Hintern in die rückwertige Stuhllehnenecke gedrückt und aufrecht gerade sitzen blieb, konnte ich einige Zeiten recht schmerzfrei dort verbringen. - Wenn ich mich abtastete, halbhinten rechts, kurz über der Gürtellinie, konnte ich die stärste Schmerzzone verspühren. Ich vermutete zunächst, daß vielleicht eine Rippe was abbekommen habe, doch das verwarf ich dann doch. Ich konnte, aufrecht sitzend und gerade liegend tief Luft holen. Was ich aber nicht konnte, war Husten oder Nießen ! Das bereitete mir bei jedem Reiz starke Pain. Doch das ist auch abgeklungen.

   Am etwa 3. Tag entdeckte ich im Spiegel an besagter Rückenstelle ein sehr großes Hämatom. Die Platte meines Glastisches ist zwar heil geblieben, hält wohl einiges aus, doch die Metallstrebe, welche die Platte dekorativ mit dem steinernen Fuß verbindet, ist verbogen, sodaß die Glasplatte schepp (schief)über dem Ganzen hängt. - Einen neuen Couchtisch hab ich schon bestellt.

   Ich denke darüber nach, mein altes Smartphone wieder zu reaktivieren. Es hat seinen Platz hinter mir, auf dem Schränkchen an der gegenüberliegenden Wand und wird, nach wie vor einsatzbereit eingestöpselt, als elektronischer Einkaufszettel verwendet. Ob ich dann aber, sollte ich doch mal wieder zu Boden gehen, darauf zugreifen kann ? - Das sind Überlegungen, die stelle ich an, wenn es so weit ist. Zunächst sollte ich weiterhin entspannt durchs Leben gehen, aufdaß mein Blutdruck weiterhin im ruhigen Bereich bleibt, immer lächeln und nicht aufregen.

   Das flimmern im Auge ist mir ja seit Jahren geläufig, und ich konnte das immer beherrschen. Auch als mir vor geraumer Zeit während eines Parkspazierganges mit einer Bekannten einmal das Sprachvermögen komplett abhanden kam, - nach einer viertel Stunde, verbracht mit ruhigem Durchatmen und beruhigendem Denken, konnte ich meinen Gedanken wieder in verständlichen Worten Gehör verschaffen. 

   Dummerweise war dieser Letzte nicht mein einziger Sturz. Vor einigen Monaten schon, ich saß auch spätabends an meinem Schreibplatz, - auch da stand ich auf, in den Schlafraum zu gehen, streikte plötzlich mein rechtes Bein, es zappelte wie losgelöst hin und her, dann lag ich der Länge nach da. Mir war aber weiter nichts passiert, ich war geradeaus in den Gang gekippt und konnte sofort wieder aufstehen. Außer einer Verwunderung ist nichts zu spühren gewesen. - Das habe ich aber auch noch keinem berichtet.

 

    Also – ruhig Blut und weiter geht’s !