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Die andere Haut
Ray Bradbury
Die andere Haut

http://uwe-henseler.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1258&Itemid=55

Als sie die Nachricht hörten, kamen sie aus den Restaurants und Cafes und Hotels und blickten in den Himmel. Sie hielten ihre dunklen Hände über die nach oben gerichteten weißen Augen. Ihre Münder standen weit offen. Über Tausende von Meilen waren kleine Städte verstreut, und ihre dunkelhäutigen Einwohner standen in der heißen Mittagsglut und blickten in die Höhe; scharf zeichneten sich ihre Schatten unter ihnen ab.

    Hattie Johnson setzte den Deckel auf die kochende Suppe in ihrer Küche, wischte sich die schlanken Finger an einem Tuch ab und ging nachdenklich zur hinteren Veranda.
    „Komm her, Ma ! He, Ma, komm schon - sonst verpaßt du's !“
    „He, Mom !“
    Drei kleine Negerjungen tanzten mit Geschrei in dem staubigen Hof herum. Dann und wann blickten sie voller Ungeduld zum Haus hin.
    „Ich komm ja schon“, sagte Hattie und öffnete die Fliegentür. „Wo habt ihr denn dieses Gerücht gehört ?“
    „Oben bei Jones', Ma. Sie sagen, daß eine Rakete kommt, die erste seit zwanzig Jahren, mit einem weißen Mann drin !“
    „Was ist ein weißer Mann ? Ich hab noch nie einen gesehen.“ -
    „Ihr werdet's schon sehen“, sagte Hattie. „Wartet's nur ab, ihr werdet's früh genug sehen !“
    „Erzähl uns von einem, Ma. Erzähl uns von früher.“
    Hattie runzelte die Stirn. „Ach, das ist schon so lange her.
    Ich war damals noch ein kleines Mädchen, wißt ihr. Damals, 1965.“
    „Erzähl uns von einem weißen Mann, Mom !“
    Sie trat auf den Hof hinaus und sah zu dem klaren blauen Marshimmel empor, über den dünne weiße Marswölkchen zogen, während in der Ferne die Hügelketten des Mars in der Hitze flimmerten. Schließlich sagte sie: „Also, erst einmal haben sie weiße Hände.“
    „Weiße Hände !“ Die Kinder machten sich lustig über diese Vorstellung und schlugen einander auf die Schultern.
    „Und auch ihre Arme sind weiß.«“
    „Weiße Arme !“ johlten die Jungen.
    „Und sie haben weiße Gesichter.“
    „Weiße Gesichter ! Wirklich ?“
    „So weiß, Mom ?“ Der kleinste Junge warf sich Staub ins Gesicht und mußte niesen. „So, Mom ?“
    „Viel weißer“, sagte sie ernst und sah wieder zum Himmel hoch. Ein besorgter Ausdruck kam in ihre Augen, als blickte sie nach einem Gewitterschauer aus und ängstigte sich, weil sie noch keine Spur davon entdecken konnte. „Ihr solltet lieber hineingehen.“
    „Oh, Mom !“ Ungläubig starrten sie ihre Mutter an. „Wir müssen doch ausgucken, wir müssen. Es wird doch nichts Schlimmes geschehen, nicht wahr ?“
    - „Ich weiß nicht. Ich habe nur so ein komisches Gefühl.“
    „Wir wollen bloß das Raumschiff sehen und vielleicht zum Landungsplatz laufen und den weißen Mann angucken. Wie ist er, Mom ?“
    „Ich weiß nicht. Ich weiß wirklich nicht“, sagte sie, nachdenklich den Kopf schüttelnd.
    „Erzähl uns noch mehr !“
    „Nun, die weißen Leute leben auf der Erde, von wo auch wir vor zwanzig Jahren alle gekommen sind. Wir haben uns damals aufgemacht und sind fortgezogen und auf dem Mars gelandet, haben uns niedergelassen und Städte gebaut, und jetzt sind wir hier. Aus Erdbewohnern sind wir Marsbewohner geworden. Und in der ganzen Zeit ist nicht kein weißer heraufgekommen. Das ist die ganze Geschichte.
    „Warum kamen sie nicht herauf, Mom ?“
    „Nun, deshalb: kurz nachdem wir hier ankamen, brach auf der Erde ein Atomkrieg aus. Sie haben sich gegenseitig auf die entsetzlichste Weise in die Luft gesprengt. Darüber vergaßen sie uns. Als sie nach Jahren zu kämpfen aufhörten, besaßen sie keine Raumschiffe mehr. Erst vor kurzer Zeit haben sie es geschafft, neue zu bauen. Und jetzt, nach zwanzig Jahren, kommen sie uns also besuchen.“ Sie starrte wie benommen auf ihre Kinder und begann fortzugehen. „Ihr wartet hier. Ich gehe jetzt rasch einmal zu Elizabeth Brown hinüber. Versprecht ihr zu bleiben ?“
    „Wir tun's nicht gern, aber wir versprechen es.

    „Also bis gleich.“ Sie lief los, die Straße hinunter.
    Sie erreichte gerade rechtzeitig das Haus der Browns, um die ganze Familie in das Auto steigen zu sehen. „Hallo, Hattie ! Steig ein und komm mit !“
    „Wo soll's hingehen ?“ fragte sie atemlos, während sie zu ihnen lief.
   
Den weißen Mann sehen !“
    „So ist es“, sagte Mr. Brown ernsthaft. Er schwenkte seine Hand über seine Ladung. „Diese Kinder haben noch nie einen gesehen, und sogar ich habe fast vergessen, wie sie aussehen.“
    „Was werdet ihr mit dem weißen Mann tun ?“ fragte Hattie.
    „Tun ?“ antworteten alle wie aus einem Munde. „Wieso - nur anschauen wollen wir ihn, das ist alles.“!
    „Seid ihr sicher ?“
    „Was sollten wir denn sonst tun ?“
    „Ich weiß nicht
, erwiderte Hattie. Ich dachte nur, es könnte vielleicht ein Unglück geben.“
   
Was für ein Unglück ?“
    „Ihr wißt schon
, antwortete Hattie unbestimmt und verlegen. „Ihr werdet ihn doch nicht lynchen ?“
    „Ihn lynchen ?“ Alle lachten. Mr.Brown schlug sich mit der Hand aufs Knie. „Gott schütz dich, Kind, nein ! Wir wollen ihm die Hand schütteln. Wir alle, stimmt's nicht ?“
    „Gewiß, gewiß !“
    Ein anderer Wagen kam aus der entgegengesetzten Richtung angefahren, und Hattie stieß einen Schrei aus. „Willie !“
    „Was machst du hier draußen ? Wo sind die Kinder ?“ schrie ihr Mann ärgerlich. Wütend starrte er die anderen an. „Und ihr wollt wie ein Haufen Narren hinausfahren, um den weißen Mann ankommen zu sehen ?“
    „Damit scheinst du nicht unrecht zu haben“, stimmte Mr.Brown lächelnd zu und nickte.
    „Nun, dann nehmt eure Gewehre mit“, sagte Willie. „Ich fahre gerade nach Hause, um meins zu holen !“
    „Willie !“
    „Du steigst in diesen Wagen, Hattie !“ Er hielt die Tür auf und sah ihr fest in die Augen, bis sie gehorchte. Ohne ein weiteres Wort zu den anderen ließ er den Wagen die staubige Straße hinunterrasen.
    „Willie, nicht so schnell !“
    „Nicht so schnell, ha ! Darüber können wir uns später unterhalten.“ Er beobachtete, wie der Wagen die Straße verschluckte. „Mit welchem Recht kommen sie nach so langer Zeit noch zu uns herauf ? Warum lassen sie uns nicht in Frieden ? Warum haben sie sich nicht alle auf ihrer alten Welt in die Luft gejagt und lassen uns in Ruhe ?“
    „Willie, so spricht kein rechter Christ.“
    „Mir ist nicht christlich zumute“, sagte er wild und umklammerte das Steuerrad fester. „Ich will böse sein. Nach all dem, was sie in der Vergangenheit unserem Volk angetan haben - meine Mutter und mein Vater, und deine Mutter und dein Vater - erinnerst du dich ? Weißt du noch, wie sie meinen Vater auf dem Knockwood Hill gehenkt und meine Mutter erschossen haben ? Weißt du's noch ? Oder ist dein Gedächtnis so kurz wie das der anderen ?“
    „Ich erinnere mich“, sagte sie.
    „Erinnerst du dich noch an Dr.Phillips und Mr.Burton und ihre großen Häuser, und an die Bretterbude meiner Mutter, wo sie ihre Wäsche gewaschen hat, und an meinen Vater, der in seinen alten Tagen noch arbeiten mußte und zum Dank von Dr.Phillips und Mr.Burton aufgehängt wurde ? Doch jetzt“, sagte Willie, „stecken wir in der richti­gen Haut. Wir werden sehen, wer gegen wen Gesetze erläßt, wer gelyncht wird, wer in den Anhängern der Straßenbahnen fährt, wem bei Veranstaltungen und in Theatern und Kinos gesonderte Plätze angewiesen werden. Wir wollen abwarten und sehen.“
    „O Willie, dein Reden bringt Unheil.“
    „Alle reden so. Alle haben an diesen Tagen gedacht - gedacht, er würde nie kommen. Gedacht: was wird das wohl für ein Tag werden, wenn der weiße Mann je zu uns auf den Mars heraufkommen sollte ? Doch jetzt ist dieser Tag da, und wir können nicht vor ihm fortlaufen.“
    „Wollt ihr die Weißen nicht hier bei uns leben lassen ?“
    „Aber gewiß.“ Er lächelte, doch es war ein breites, boshaftes Lächeln, und aus seinen Augen sprühte Haß. „Sie können herkommen und hier leben und arbeiten; gewiß doch. Als Gegenleistung fordern wir weiter nichts, als daß sie in eigenen kleinen Stadtteilen wohnen, den Slums, und uns die Schuhe putzen, unsere Abfälle kehren und auf der Galerie in der letzten Reihe sitzen. Mehr verlangen wir nicht. Und einmal die Woche hängen wir einen oder zwei von ihnen. Ganz einfach.“
    „Du redest wie ein Unmensch, ich mag das nicht hören.“
    „Du wirst dich daran gewöhnen müssen“, erwiderte er. Er bremste den Wagen hart vor ihrem Hause ab und sprang heraus. „Such meine Gewehre und einen Strick. Wir wollen diese Sache gründlich machen.“
    „Oh, Willie“, jammerte sie und blieb einfach im Wagen sitzen, während er die Stufen hochlief und die Tür hinter sich zuschlug.
    Sie wollte nicht, aber sie ging doch hinterher. Er lärmte in der Bodenkammer herum und fluchte wie ein Verrückter, bis er vier Gewehre gefunden hatte. Das brutale Metall glitzerte in der finsteren Kammer, ihn aber konnte sie überhaupt nicht sehen, so dunkelhäutig war er: sie hörte nur sein Fluchen. Doch schließlich erschienen seine langen Beine in einer Staubwolke, und er kletterte aus der Bodenluke, stapelte Päckchen mit Munition auf, blies den Staub aus den Ladekammern und ließ Messingpatronen hineinklicken, mit finsterem, verschlossenem Gesicht, in das die nagende Bitterkeit tiefe Falten gefurcht hatte. „Laßt uns in Ruhe“, murmelte er unaufhörlich, und plötzlich warf er unbeherrscht die Hände in die Luft. „Verdammt noch mal, warum lassen sie uns nicht allein ?“
    „Willie, Willie.“
    „Und du auch - du auch !“ Dabei warf er ihr einen Blick zu, daß sie fast schmerzhaft den ungeheuren Druck seines Hasses spürte.
    Draußen vor dem Fenster plapperten die Jungen miteinander. „Weiß wie Milch, hat sie gesagt, weiß wie Milch.“
    „Weiß wie diese verwelkte Blume, seht ihr ?“
    „Weiß wie ein Stein, weiß wie Kreide, mit der man schreibt.“
    Mit einem Satz sprang Willie aus dem Haus. „Ihr kommt herein, Kinder, und ich schließe euch ein. Ihr werdet keinen weißen Mann sehen, ihr werdet nicht mehr über ihn reden, und ihr werdet überhaupt nichts tun. Kommt jetzt, los !“
    „Aber Daddy -“
    Er schob sie vor sich durch die Tür und ging dann einen Eimer mit Farbe und eine Buchstabenschablone holen; aus der Garage brachte er einen langen, dicken rauhen Strick mit, in den er einen Henkersknoten knüpfte, dabei sorgsam den Himmel beobachtend, während seine Hände tastend weiterarbeiteten.
    Und dann saßen sie im Wagen, regelrechte Staublawinen auf der Straße hinter sich lassend. „Fahr langsamer, Willie.“
    „Dies ist keine Zeit für langsame Leute“, erwiderte er. „Die Zeit eilt, und ich muß mich beeilen.“
    Die ganze Straße entlang blickten Leute in den Himmel oder stiegen in ihre Autos oder fuhren bereits, und aus einigen Wagen stachen Gewehre wie Teleskope in die Luft, die alles Übel einer dem Ende entgegengehenden Welt sichteten.
    Sie blickte auf die Gewehre. „Du hast geredet“, klagte sie ihren Mann an.
„Richtig geraten«, knurrte er und nickte. Mit wilden Augen starrte er auf die Straße. „Ich habe bei jedem Haus gehalten und ihnen gesagt, was sie tun sollen: ihre Gewehre holen, Farbe, Stricke mitbringen und sich bereithalten. Und hier kommen wir alle, das Empfangskomitee, um ihnen den Schlüssel zur Stadt in die Hände zu legen. Jawohl, meine Herren !“
    Sie preßte ihre schmalen Hände zusammen, um des in ihr wachsenden Entsetzens Herr zu werden, und sie fühlte den Wagen vorwärtsspringen und schleudernd um andere Autos herumrasen. Sie hörte die Stimmen, die ihnen zuriefen: „He, Willie, sieh !“ - sah im Vorbeisausen Hände, die Gewehre und Stricke hochhielten, und lächelnde Gesichter !
    „Wir sind da“, sagte Willie und bremste den Wagen, der in einer Staubwolke zum Halten kam. In dem plötzlichen Schweigen stieß er mit einem heftigen Fußtritt die Tür auf und stieg aus; die Waffen schleifte er hinter sich über das Gras des Flugplatzes.
    „Hast du's dir überlegt , Willi ?“
    „O seit zwanzig Jahren habe ich nichts anderes getan. Ich war sechzehn, als ich die Erde verließ, und ich war froh darüber,“ sagte er. „Für mich oder dich oder einen von uns gab es dort überhaupt keine Aussichten. Ich habe es nicht bedauert, daß wir ausgezogen sind. Hier haben wir in Frieden leben können, zum ersten Mal, seit wir unseren ersten Atemzug taten. Komm mit jetzt.“
    Er drängte sich durch die dunkle Menge, die ihnen entgegenkam.
    „Willie, Willie, was sollen wir tun ?“ fragten sie.
    „Hier ist ein Gewehr“, erwiderte er. „Hier ist noch ein Gewehr; und hier noch eins.“ Mit brutalen Armbewegungen teilte er die Waffen aus. „Hier ist eine Pistole. Hier ein Revolver.“
    Die Leute standen so dicht gedrängt, daß sie wie ein einziger dunkler Körper aussahen, aus dem tausend Arme sich nach den Waffen ausstreckten. „Willie, Willie !“
    Seine Frau stand hochgereckt und schweigend neben ihm, die Lippen fest zusammengepreßt, und ihre Augen waren naß und traurig. „Hol die Farbe“, sagte er zu ihr. Und sie schleppte einen Kanister mit gelber Farbe über den Platz zu der Stelle, wo gerade eine Straßenbahn mit einem frischgemalten Schild an der Frontseite: Zur Landung des Weissen Mannes anhielt, vollgestopft mit aufgeregt schwatzenden Leuten, die rasch ausstiegen und stolpernd und nach oben blickend über das Gras rannten. Frauen mit Picknick-Körben, Männer mit Strohhüten und in Hemdsärmeln. Leer und summend stand die Straßenbahn da. Willie kletterte hinein, stellte den Farbkanister ab, öffnete ihn und rührte die Farbe um, tauchte einen Pinsel hinein, zog eine Schablone hervor und kletterte auf einen Sitz.
    „He, Sie da !“ Der Schaffner trat hinter ihn, seine Wechselkasse klingelte schrill. „Was wollen Sie da machen ? Steigen Sie herunter und verschwinden Sie !“
    „Sie sehen ja, was ich mache. Fallen Sie nur nicht aus dem Anzug.“
    Und Willie begann mit dem Durchpausen. Er tupfte ein gelbes F und ein Ü und ein R spiegelverkehrt gegen die Scheibe und war mächtig stolz auf sein Werk. Und als er fertig war, legte der Schaffner den Kopf in den Nacken und las die noch feucht schimmernden, gelben Worte: Für Weisse : Der Anhänger. Er las es noch einmal. Für Weisse. Er blinzelte vergnügt. Der Anhänger. Der Schaffner sah Willie an und begann zu lächeln.
    „Gefällt Ihnen das ?“ fragte Willie, während er von dem Sitz stieg.
    „Gefällt mir ausgezeichnet, Sir“, antwortete der Schaffner.
    Hattie sah die Aufschrift von draußen und drückte die Hände gegen die Brust.
    Willie kehrte zu der Menge zurück, die jetzt ständig wuchs, gespeist von jedem Auto, das mit ächzenden Bremsen hielt, und von jeder neuen Straßenbahn, die kreischend von der nahegelegenen Stadt her um die Kurve bog.
    Willie kletterte auf eine Kiste. „Wir brauchen eine Ab­ordnung, die innerhalb der nächsten Stunde alle Straßenbahnen beschriftet. Freiwillige ?“
Hände schössen in die Höhe.
    „An die Arbeit !“
    Sie gingen.
    „Wir brauchen eine Delegation, die in den Kinos und Theatern die beiden letzten Reihen für Weiße mit Seilen abgrenzt.“
    Mehr Hände.
    „An die Arbeit !“
    Sie liefen los.
    Willie blickte in die Runde, schweißbedeckt und keuchend vor Eifer und Anstrengung, stolz auf seine Tatkraft, die Hand auf die Schulter seiner Frau gestützt, die neben ihm stand und mit niedergeschlagenen Augen den Boden anstarrte. „Laßt sehn“, meinte er. „O ja - wir müssen heute nachmittag noch ein Gesetz verabschieden: Keine Mischehen.“
    „Recht so !“ riefen viele.
    „Alle Schuhputzer geben mit dem heutigen Tag ihren Job auf.“
    „Auf der Stelle !“ Und ein paar Männer warfen ihre Putzlappen fort, die sie in ihrer Aufregung durch die ganze Stadt mitgeschleppt hatten.
    „Und auch ein Mindestlohngesetz müssen wir erlassen nicht wahr ?“
    „Ganz recht !“
    Der Bürgermeister der Stadt eilte herbei. „Nehmen Sie Vernunft an, Willie Johnson. Steigen Sie von der Kiste !“
    „Niemand kann mich dazu zwingen, Bürgermeister.“
    „Sie rotten einen Mob zusammen, Willie Johnson.“
    „Genau das ist meine Absicht.“
    „Damit tun Sie genau dasselbe, was Sie als Kind stets gehaßt haben. Sie sind nicht besser als einige der Weißen, über die Sie so ein Geschrei anstimmen !“
    „Aber zufällig stecken wir diesmal in der richtigen Haut, Bürgermeister“, erwiderte Willie, den Bürgermeister nicht einmal ansehend, sondern nur in die Gesichter unter ihm blickend, lächelnde, zweifelnde, verwunderte Gesichter sowie einige, in denen sich Widerwillen zeigte und die sich furchtsam abwendeten.
    „Das wird Ihnen noch leid tun“, sagte der Bürgermeister.
    „Wir werden einen neuen Bürgermeister wählen müssen“, sagte Willie. Und er blickte zur Stadt hinüber, wo straßauf, straßab frischgemalte Schilder ausgehängt wurden: Freie Kundenwahl: Berechtigt, jedem Kunden jederzeit die Bedienung zu verweigern. Er grinste und klatschte in die Hände. Allmächtiger ! Und Straßenbahnen wurden angehalten und die Anhänger weiß gestrichen, um damit ihre zukünftigen Fahrgäste anzudeuten. Und Theater wurden von kichernden Leuten gestürmt und mit Seilen und zwei Abteilungen getrennt, während ihre Frauen nachdenklich am Straßenrand standen und Kinder mit Klapsen in die Häuser getrieben wurden, um sie vor dieser schrecklichen Zeit zu beschützen.
    „Sind wir alle bereit ?“ rief Willi Johanson, den Strick mit der säuberlich gebundenen Schlinge in den Händen haltend.
    „Bereit !“ schrie die Hälfte der Menschenmenge. Die übrigen Leute murmelten und bewegten sich wie Gestalten in einem Alptraum, aus dem sie sich zu befreien suchten.
    „Dort kommt es !“ rief ein kleiner Junge.
    Wie Marionettenköpfe an einem Band, wandten sich die Gesichter der Menge nach oben.
    Sehr noch im Himmel, ein wunderschönes Bild, zog eine Rakete auf einer Bahn von orangefarbenem Feuer dahin. Sie beschrieb eine Kreisbahn und stieß herunter, und alle seufzten ehrfürchtig auf. Bei der Landung setzte sie hier und da das Gras in Brand, das Feuer verlosch, die Rakete lag einen Moment lang völlig ruhig, und während die Menge schweigend beobachtete, öffnete sich eine große Tür in der Seite des Raumschiffes, zischend entwich ein Hauch Sauerstoff, und ein alter Mann trat heraus.
    „Ein weißer Mann, ein weißer Mann, ein weißer Mann …“ Die Worte wanderten durch die erwartungsvolle Menge nach hinten, die Kinder flüsterten sie einander in die Ohren und stießen sich dabei in die Seiten; die Worte pflanzten sich wellenförmig bis an dee Rand der Menge fort, wo die Straßenbahnen im Sonnenlicht standen und ein leichter Wind den Geruch frischer Farbe aus ihren geöffneten Fenstern trieb. Das Wispern erstarb, und es wurde totenstill.
    Niemand bewegte sich.
    Der weiße Mann war groß und aufrecht, aber eine tiefe Müdigkeit stand in seinem Gesicht. Er hatte sich an diesem Tag noch nicht rasiert, und seine Augen waren so alt, wie die Augen eines Mannes nur sein können, der noch nicht tot ist. Seine Augen waren farblos, fast weiß und ausdruckslos geworden vor all den Dingen, die er in den vergangenen Jahren gesehen hatte. Er war dünn wie ein Strauch im Winter. Seine Hände zitterten, und er mußte sich gegen die Schiffswand lehnen, als er hinaus und über die Menge blickte.
    Er streckte ihnen eine Hand entgegen und versuchte zu lächeln, zog seine Hand jedoch wieder zurück.
    Niemand bewegte sich.
    Er blickte hinab in ihre Gesichter und sah vielleicht die Gewehre und Stricke, ohne sie jedoch wahrzunehmen; vielleicht roch er auch die Farbe. Niemand fragte ihn danach. Er begann zu reden. Er begann sehr ruhig und langsam, erwartete keine Unterbrechungen und wurde auch nicht unterbrochen, und seine Stimme war sehr müde und alt und matt.
    „Wer ich bin, spielt keine Rolle“, sagte er. „Mein Name würde euch nichts bedeuten. Ich kenne auch eure Namen nicht. Das hat Zeit bis später.“ Er machte eine Pause, schloß einen Moment lang seine Augen und fuhr dann fort.
    „Vor zwanzig Jahren habt ihr die Erde verlassen. Das ist eine lange, lange Zeit. Mehr als zwanzig Jahrhunderte scheinen vergangen zu sein, so vieles ist geschehen. Nachdem ihr uns verlassen hattet, kam der Krieg.“ Er nickte langsam. „Ja, der Große Krieg. Der Dritte Weltkrieg. Er dauerte sehr lange. Bis vor einem Jahr. Wir haben alle Städte der Welt ausgebombt. Wir haben New York und London und Moskau, Paris und Shanghai und Bombay und Alexandria zerstört. Wir haben sie alle in Ruinen verwandelt. Und als wir die großen Städte vernichtet hatten, wandten wir uns den kleinen Städten zu und bewarfen sie mit Atombomben und verbrannten sie.“
    Er begann jetzt Städte, Ortschaften und Straßen zu nennen. Und während er die Namen aussprach, erhob sich ein Gemurmel in seiner Zuhörerschaft.
    „Wir zerstörten Natchez …“
    Ein Murmeln.
    „Und Columbus, Georgia …“
    Ein neues Murmeln.
    „Wir vernichteten New Orleans …“
    Ein Seufzen.
    „Und Atlanta …“
    Wieder ein Seufzen.
    „Und nichts blieb übrig von Greenwater, Alabama …“
    Willie Johnson bewegte ruckartig seinen Kopf und öffnete den Mund. Hattie sah diese Geste, sah, wie Erinnerung in seine dunklen Augen trat.
    „Nichts blieb übrig“, sagte der alte Mann im Eingang des Raumschiffes langsam. „Die Baumwollfelder - verbrannt.“
    „Oh“, entfuhr es allen.
    „Die Baumwollfabriken - ausgebombt.“
    „Oh.“
    „Und alle anderen Fabriken - radioaktiv; alles radioaktiv. Alle Straßen und Farmen und Nahrungsmittel - radioaktiv. Alles.“ Er nannte weitere Namen von Städten und Dörfern.
    „Tampa.“
    „Das ist meine Heimatstadt“, flüsterte jemand.
    „Fulton.«
    „Das ist meine“, sagte jemand anders.
    „Memphis.“
    „Memphis ! Ist auch Mempbis verbrannt ?“ Eine erschütterte Frage.
    „Memphis ist in die Luft geflogen.“
    „Die Vierte Straße in Memphis ?“
    „Die ganze Stadt“, antwortete der alte Mann.
    Die Erinnerung begann sie anzurühren. Nach zwanzig Jahren strömte sie auf sie ein. Die Städte und Ortschaften, die Bäume und Ziegelbauten, die Aushängeschilder und die Kirchen und die Läden, in denen sie eingekauft hatten - alles drängte zwischen den versammelten Leuten wieder an die Oberfläche. Jeder Name störte eine Erinnerung auf, und kaum einer unter ihnen dachte nicht an einen vergangenen Tag. Außer den Kindern waren sie alle alt genug dazu.
    „Laredo.“
    „Ich erinnere mich an Laredo.“
    „New York City.“
    „Ich besaß ein Geschäft in Harlem.“
    „Harlem ist ausgebombt.“
    Die verhängnisvollen Worte. Die vertrauten, in der Erinnerung lebenden Orte. Die Überwindung, sich all diese Orte in Schutt und Asche vorzustellen.
    Willie Johnson murmelte: „Greenwater, Alabama. Dort bin ich geboren. Ich seh's noch vor mir.“
    Dahin. Alles dahin. Der Mann hatte es gesagt.
    Der Mann fuhr fort: „So zerstörten und vernichteten wir alles, Narren, die wir waren und die wir noch sind. Wir haben Millionen getötet. Ich glaube nicht, daß mehr als fünfhunderttausend Menschen auf der Erde am Leben geblieben sind, von allen Völkern und Rassen. Und aus dem ganzen Trümmerhaufen haben wir gerade genug Metall retten können, um dieses eine Raumschiff zu bauen, und Anfang dieses Monats sind wir zum Mars gestartet, um eure Hilfe zu suchen.“
    Er zögerte und blickte suchend hinab in ihre Gesichter, konnte jedoch nicht mit Sicherheit sagen, was er dort fand.
    Hattie Johnson fühlte, wie die Muskeln im Arm ihres Mannes sich spannten, sah, wie seine Finger den Strick fester umklammerten.
   „Wir sind Narren gewesen“, sagte der alte Mann ruhig. „Wir haben die Erde und die gesamte Zivilisation über unseren Häuptern zusammenstürzen lassen. Keine der Städte ist es wert, daß man sich um ihre Rettung bemüht - sie werden noch ein Jahrhundert lang radioaktiv bleiben. Die Erde hat ausgespielt. Ihr Zeitalter ist abgelaufen. Ihr habt Raumschiffe hier, die ihr in zwanzig Jahren nicht einmal für den Versuch benutzt habt, zur Erde zurückzukehren. Jetzt bin ich gekommen, um euch zu bitten, sie wieder in Gebrauch zu nehmen. Kommt damit zur Erde, sammelt die Überlebenden und bringt sie zurück auf den Mars. Helft uns, weiterzuleben. Wir sind dumm gewesen. Vor Gott gestehen wir unsere Dummheit und unsere Bosheit ein. Die Chinesen, die Inder, die Russen, die Engländer und die Amerikaner. Wir bitten euch um Aufnahme. Euer Marsboden hat ungezählte Jahrhunderte lang brach gelegnen; ist guter Boden – ich habe eure Felder von oben gesehen. Es ist Platz genug für alle hier. Wir wollen kommen und euren Boden für euch bearbeiten. Ja, selbst das wollen wir tun. Wir verdienen alles, was ihr mit uns vorhabt - aber schließt uns nicht aus. Wir können euch zu nichts zwingen. Wenn ihr es wünscht, werde ich wieder in mein Schiff steigen und zurückfliegen, und die Sache ist erledigt. Wir werden euch dann nicht wieder belästigen. Doch wenn wir kommen dürfen, werden wir für euch arbeiten und all die Dinge tun, die ihr einmal für uns getan habt - eure Häuser reinhalten, euer Essen kochen, eure Schuhe putzen - und uns im Angesicht Gottes für all das demütigen, was wir jahrhundertelang uns selbst, anderen und euch angetan haben.“
    Er hatte nichts mehr zu sagen.
    Totenstille herrschte. Eine Stille, die man in der Hand halten konnte, eine Stille, die sich wie der Druck von einem entfernten Sturm über die Menge legte. Ihre langen Arme hingen wie dunkle Pendel in der Sonne, ihre Augen waren auf den alten Mann gerichtet, und er bewegte sich nicht, sondern wartete.
    Willie Johnson hielt den Strick in den Händen. Die Leute um ihn herum warteten und beobachteten ihn, was er tun würde. Seine Frau Hattie wartete und umklammerte seinen Arm.
    Sie wünschte, an den Haß all dieser Leute heranzukönnen, daran zu kratzen und zu scharren, bis sie eine kleine Scharte fand, um dann ein Steinchen, einen Stein, einen Ziegel herauszureißen, dann einen Teil der Mauer; und, einmal ins Rutschen gekommen, würde das ganze Gebäude einstürzen und verschwinden. Es wankte bereits. Doch welches war die Hauptstütze, und wie konnte man an sie herankommen? Wie konnte man diese Leute bewegen und etwas in ihnen anrühren, daß ihr Haß zum erliegen kam ?
    In dem tiefen Schweigen blickte sie Willie an, und alles, was sie über die augenblickliche Lage wußte, konzentrierte sich auf ihn, sein Leben und was ihm zugestoßen war, und plötzlich sah sie in ihm diese Hauptstütze; plötzlich wußte sie, wenn sie diesen Stein lösen konnte, würde das ganze Gebäude zusammenbrechen und vergehen.
    „Mister -“ Sie trat vor. Sie wußte noch nicht einmal, wie sie beginnen sollte. Die Menge starrte auf ihren Rücken; sie fühlte ihre Blicke. „Mister -“
    Mit einem müden Lächeln wandte sich der Mann ihr zu.
    „Mister“, sagte sie, „kennen Sie Knockwood Hill, den Hügel in Greenwater, Alabama ?“
    Der alte Mann sprach über seine Schulter mit jemandem im Schiff. Einen Augenblick später wurden Luftaufnahmen herausgereicht, und der Mann hielt sie in der Hand und wartete.
    „Kennen Sie die große Eiche auf der Spitze jenes Hügels, Mister ?“
    Die große Eiche. Der Ort, wo Willies Vater erschossen und aufgehängt und am nächsten Morgen im Winde schwingend gefunden wurde.
    „Ja.“
    „Steht sie noch dort ?“ fragte Hattie.
    „Sie ist verschwunden“, antwortete der alte Mann. „In die Luft geflogen. Der ganze Hügel ist mitsamt der Eiche in die Luft geflogen. Sehen Sie ?“ Er deutete auf eine Photographie.
    „Lassen Sie mich das sehen“, sagte Willie, rasch vortretend und auf das Bild blickend.
    Mit klopfendem Herzen sah Hattie den weißen Mann an.
    „Erzählen Sie von Greenwater“, sagte sie rasch.
    „Was wollen Sie wissen ?“
    „Über Doktor Phillips. Ist er noch am Leben ?“
    Ein Augenblick verging, in dem die Information in einer klickenden Maschine im Innern des Raumschiffes gefunden wurde …
    „Im Krieg getötet.“
    „Und sein Sohn?“
    „Tot.“
    „Und was ist mit ihrem Haus geschehen ?“
    „Verbrannt. Wie all die anderen Häuser.“
    „Was ist mit jenem anderen großen Baum auf dem Knockwood Hill geschehen ?“
    „Alle Bäume sind verschwunden - verbrannt.“
    „Auch dieser Baum ist fort, sind Sie sicher ?“ fragte Willie.
    „Ja.“
    Willies Körper entspannte sich etwas.
    „Und was ist mit Mr.Burton und seinem Haus geschehen ?“
    „Keine Häuser, keine Leute sind mehr da.“
    „Kennen Sie Mrs.Johnsons Waschhütte, wo meine Mutter gearbeitet hat ?“
    Der Ort, wo sie erschossen wurde.
    „Auch fort. Alles ist fort. Hier sind die Bilder, Sie können es selbst sehen.“
    Die Bilder waren da; man konnte sie in die Hand nehmen, ansehen und darüber nachdenken. Das Raumschiff war angefüllt mit Bildern und Antworten auf Fragen. Über jede Stadt, jeden Ort, jedes Gebäude.
    Willie stand da, den Strick in seinen Händen.
    Er erinnerte sich an die Erde, die grüne Erde und die grüne Stadt, wo er geboren und aufgewachsen war, und er stellte sich diese Stadt jetzt vor, wie sie in Trümmern lag, in Schutt und Asche, in die Luft geflogen und in alle Wmde verstreut war, wie alle Landschaftsmerkmale mit ihr gegangen waren, wie alles angenommene oder wirkliche Übel mit ihr zerschlagen worden und alle die harten Männer nicht mehr dort waren; und fort waren die Pferdeställe, die Hufschmiede, die Antiquitätenhändler, die Erfrischungsbuden, die Gin-Brennereien, die Flußbrücke, die Lynchbaume, die mit Rehposten bedeckten Hügel, die Straßen, die Kühe, die Mimosen und sein eigenes Haus, gcnau wie auch die von hohen Säulenvorbauten umgebenen großen Häuser am langen Flußufer, diese weißen Leichenhallen, durch welche die Frauen, zart wie Schmetterlinge, im Herbstlicht schwebten, fern, weit weg. Diese Häuser, wo die kalten Männer sich in Schaukelstühlen wiegten, ein Glas mit Schnaps in der Hand, das Gewehr gegen das Verandageländer gelehnt, in die Herbstluft schnüffelnd und auf Tod sinnend. Fort, alles fort; fort und nie wieder zum Leben zu erwecken. Jene ganze Zivilisation war nun mit Sicherheit zu Konfetti zerstanzt und ihnen vor die Füße gestreut worden. Nichts, nichts davon war übrig geblieben, das man hassen konnte - nicht eine leere, messingne Patronenhülse, eine Hanfschlinge oder ein Baum, nicht einmal ein Hügel. Nichts als ein paar fremde Menschen in einem Raumschiff, Leute, die vielleicht seine Schuhe putzen, in den Anhängern der Straßenbahn fahren oder des Abends weit oben, hinten in den Theatergalerien sitzen würden …
    „Ihr werdet das nicht zu tun brauchen“, sagte Willie Johnson.
    Seine Frau blickte auf seine großen Hände.
    Seine Finger öffneten sich.
    Der Strick entglitt ihnen, fiel und rollte sich am Boden auf. Sie rannten durch die Straßen ihrer Stadt und rissen die so rasch gemalten neuen Schilder ab, entfernten die frischen gelben Buchstaben an den Straßenbahnen, schnitten die Taue in den Theatergalerien entzwei, entluden ihre Gewehre und verstauten ihre Stricke.
    „Ein Neubeginn für alle“, sagte Hattie, als sie auf dem Heimweg in ihrem Wagen saßen.
    „Ja“, antwortete Willie nach einiger Zeit. „Der Herr hat uns durchkommen lassen, hier ein paar und dort ein paar. Und was die Zukunft bringen wird, liegt an uns. Die Zeit, sich verrückt zu gebärden, ist vorbei. Wir dürfen nicht länger Narren sein. Es ging mir auf, als er redete. Da wußte ich, daß der weiße Mann jetzt einsam ist, wie wir es stets gewesen sind. Er hat keine Heimat mehr, genau wie wir so lange Zeit keine besaßen. Wir sind jetzt quitt. Wir können von neuem miteinander beginnen, auf derselben Stufe.“
    Er bremste den Wagen ab und blieb sitzen, unbeweglich, während Hattie zum Haus ging, um die Kinder herauszulassen. Sie rannten hinunter, um ihren Vater zu begrüßen.
    „Hast du den weißen Mann gesehen ? Hast du ?“ riefen sie.
    „Ja“, sagte Willie, immer noch hinter dem Steuerrad sitzend und sich langsam mit den Fingern das Gesicht reibend. „Kommt mir fast vor, als hätte ich ihn heute zum ersten Mal gesehen, den weißen Mann - klar und deutlich gesehen.“


gelesen in:
Ray Bradbury
Der illustrierte Mann
Diogenes Taschenbuch 20365
ISBN 3 257 20365 9