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Maskenball
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Der Maskenball
Eine Nacherzählung
 

Maskenball

Image Gern bin ich mit den Kumpels früher auf die  Maskenbälle gezogen. Und kaum einen haben wir  ausgelassen. Gemeinsam trafen wir dort ein, doch dann verloren wir uns im Gewühl und getrennt gingen wir nach Hause. Manchmal gelang es uns auch, uns einer hübschen Maid als zuverlässige Nachhausebegleitung anzudienen.

  In dieser umtriebigen Zeit sah ich das Mädchen wieder.

  Es war eine der geheimnisvollen Masken, die ihr Antlitz erst um 24.00Uhr enthüllten und dann erst ihr Inkognito preisgaben. Doch bisher hatte ich sie zu der fraglichen Zeit immer aus den Augen verloren, sodaß ihr Gesicht mir bisher immer verborgen geblieben war.

  Auch diesmal übte sie einen faszinierenden Reiz aus auf mich. Sie war von schlanker Anmut in ihrem hellblauen, ihre Hüften und Po weich umfließenden Kleid, und sie schwebte beim Tanz wie schwerelos durch den Saal.

  Und dann gelang es mir, - sie trug mich ein in ihr Tanzbüchlein. Drei Tänze mußte ich noch warten bis es so weit war, daß  ich meinen Arm um ihre schlanke Taille legen durfte. Ich drückte mich in ihrer Sichtweite herum, damit mir nicht doch noch jemand dazwischen funkte. Eine Tanzliste ist nicht unbedingt die Garantie, daß man auch zum Zuge kommt. Hatte ich doch selbst vereinzelt eine Tanzpartnerin überredet, von der Liste zu meinen Gunsten abzuweichen. Doch diesmal klappte es. Ich durfte sie umfassen und mit einem Foxtrott glitt ich mit ihr durch die tanzende Menge. Der nächste Tanz war ein Walzer. Sie drehte sich leicht wie eine Feder und die Menge verschwamm vor meinen Augen. Sie hieß Cornelia, verriet sie mir bei dem nachfolgenden langsamen Blues, der fast zum Stehblues wurde, und wenn sie lachte klang es wie Silberschellen.

  Es gelang mir, sie in die Bar zu entführen, und im hinteren schummrigen Eck scherzten und alberten wir. Sie nippte durch den Strohhalm an ihrem Cocktail, ich machte ihr Komplimente und ließ meinen ganzen Charme sprühen, und ihr amüsiertes lachen perlte mir zu. Ich fieberte der bald anstehenden Demaskierung entgegen. Erhoffte ich mir doch, ihr dann einen kleinen Kuss verehren zu dürfen.  Viertel vor Zwölf jedoch erklärte sie kategorisch, sie müsse jetzt nach Hause, ihre Eltern duldeten ein längeres verweilen auf dem Ball nicht.

  Ich erstritt mir die Gunst, sie wenigstens nach Hause bis an ihre Tür begleiten zu dürfen, was sie dann auch zuließ. Hand in Hand und fast hüpfend liefen wir ihrem Haus entgegen, und ihr lachen begleitete uns auf diesem Weg.

  Dann, dort angekommen wollte sie direkt ins Haus entschwinden, doch ich hielt sie an der Hand und erbat eine letzte Umarmung. Sie gestattete dies, und sie schmiegte sich noch einmal fest an mich. Gerade wollte sie sich von mir lösen, da zupfte ich an den Fransen ihrer Maske, sodaß diese ihr vom Gesicht rutschte und - ich prallte zurück.

  Sie sah meinen entsetzten Gesichtsausdruck, - sie konnte das weinen nicht zurückhalten und floh ins Haus.  

  In der Tür erschien ihre Mutter. Missbilligend sah sie mich an, dann sprach sie: "Sie hatte einen Unfall der ihr Gesicht zerstörte und es wird noch manche Operation nötig sein, bis das einigermaßen korrigiert ist. Deshalb verlässt sie auch nie das Haus. Zur Fastnachtszeit jedoch gestatten wir ihr das Ausgehen zu Maskenbällen. Sie genießt es dann, bewundert und umworben zu werden. Die restliche Zeit des Jahres zehrt sie dann von der Erinnerung an diese, ihre schönen Erlebnisse. - Dieses Jahr nun wird die angenehme Erinnerung für sie ausfallen."

  Sie schließt die Tür, und ich stehe allein in der kalten Dunkelheit.

 

Diese Geschichte hörte ich mit 13, 14 Jahren  im Radio.
Auf HR oder SüdWestFunk.
Damals hörte ich oft Hörspiele, Märchen und Erzählungen.
All die Jahre ist mir diese Geschichte um die Fastnachtzeit
in die Erinnerung gesprungen.
Nun habe ich den Versuch gemacht, sie nach zu schreiben,
- das Grundgerüst aus der Erinnerung nutzend -
und eigene frühere Fastnachtserfahrungen hinzufügend.