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Goldene Konfirmation
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Goldene Konfirmation
 
Späte Gedanken

O so in später Nacht nach Hause gehen,
Verliebt, verschmäht, von keinem Kuß beglückt,
Und in die bleichen Himmelsfelder sehn,
Wo der Orion traurig erdwärts rückt !

Und dann daheim, von Licht und Bett empfangen,
Sich niederlegen einsam und betrogen,
Von schweren Wünschen hin und her gezogen,
Umsonst nach Schlaf, nach Traum, nach Trost verlangen,

Voll Trauer über ein verschwendet Leben
In Schächten der Erinnerungen schürfen
Und wissen, daß nur Ein Trost uns gegeben :
Dem Lebenmüssen folgt das Sterbendürfen !

Hermann Hesse

Erinnerungen


Letztens, es war der 30.Aug. 2009, nahm ich teil an der ›Goldenen Konfirmation‹.

Es war die Goldene Konfirmation meiner Schulkameraden aus der Löwenschule.
Nun, - eigendlich auch die meinige, denn auch ich wurde vor 50 Jahren konfirmiert, wenn ich auch kurz nach dem Erwachsensein aus der Kirche ausgetreten bin. Ich durfte mich aber dennoch dazwischen mogeln.

Viele waren gekommen, auch die Mädels aus der Nibelungenschule, zu denen wir aber nie richtigen Kontakt hatten. Jungen und Mädchen wurden zur damaligen Zeit strikt getrennt in verschiedenen Schulen unterrichtet. Auch im Konfirmandenunterricht war das so.

Die Burschen des Gymnasiums jedoch, die sich nach der 4.Klasse von uns abspalteten, trafen wir im Konfirmandenunterricht wieder.


Jetzt 50 Jahre später, trafen wir im Gemeindehaus zusammen. Die gesellschaftlichen und auch die geschlechtlichen Schranken hatte die Zeit hinweggefegt

Interessiert, wer wohl alles aufgetaucht war, schaute ich mich um. Manche erkannte ich auf Anhieb. Einige hatte ich eh hin und wieder, da ich ja überwiegend in Alzey geblieben bin, im Städtchen getroffen. Manche hatten sich kaum verändert, doch ich kam nicht auf den Namen. Und einige wenige mußte ich fragen, und erst dann wußte ich sie einzuordnen.

Eine jedoch sprang mir gleich ins Auge : Sehr chic, schlank, von zurückhaltender Eleganz, immer noch das fast schwarze Haar und mit leicht getöntem Teint. E--- ! Sie stand mit einer Dame, die ich nur vom sehen kannte im Gespräch zusammen. Ich schaute sie an, ich ging die paar Schritte zu ihr rüber : „Von den Mädels kenne ich ja kaum jemand, doch die E--- habe ich auf Anhieb wieder erkannt.”

Sie wandte sich mir zu, ein fragender Blick und ich stellte mich artig vor.

- „Ach, - der Uwe.” - Sah ich da ein erinnerndes Lächeln ?

Wir unterhielten uns etwas über die Zeit und die Veränderung die diese mitbrachte und ich äußerte die These, daß wir Kerle bestenfalls uns einbilden könnten interessanter zu werden, den Mädels der Liebreiz jedoch erhalten blieb.

Dies brachte sie nun doch zum lachen und sie bedankte sich.

Ich zog mich wieder zurück, denn die Information zum Gottesdienst ging weiter.

ZUWEILEN

Wenn mich der fernen Kindertage
Gedächtnis plötzlich überfällt,
Das ist wie einer alten Sage
Von Dichtersang verklärte Welt.

Dann muß ich still die Augen senken
Und jener heilen, hellen Zeit
Beklommen und wie einer denken,
Der eine schwere Schuld bereut.

Hermann Hesse

E--- . Das erste mal begegnete ich ihr, als ich auf der Gartenterasse des Café am Bahnhof spielte.

Meine Mutter hatte damals paarmal die Woche dort zu tun, und nach der Schule konnte ich dort hinkommen.

Oft spielte ich mit der Tochter des Hauses, und eines Tages war da noch ein Mädchen, das mein Interesse auf bis dahin unbekannte Art weckte. Ich mußte sie dauernd anschauen und jedesmal, wenn ich mit ihr redete mußte ich Albernheiten loslassen und kichern.

Ich weiß nicht wie es dazu kam, doch den Sommer über traf ich sie fast jeden Tag im Schwimmbad.

Mal war ich zuerst da und dann behielt ich den Schwimmbadeingang im Auge um sie gleich zu entdecken, und mal hatte sie schon ihre Decke in „unserem” Terrain ausgelegt.

Unsere jeweiligen Kumpels und Cliquen waren auch im Schwimmbad, doch wir legten unsere Badetücher immer separat nebeneinander.

Irgendwann fing meine Mutter an, komische Fragen zu stellen : „Deine Klassenkameraden, interessiert dich nicht was die so machen ? Geh doch mal zu deinen Jungs.”

Und irgendwann fingen die Anderen auch an Bemerkungen zu machen. Die Ermahnungen meiner Mutter wurden deutlicher, denn es schickte sich nicht, als Schulbub Kontakt zu den Mädchen zu haben. Steter Tropfen höhlt den Stein, und zum Ende der Saison verlor sich unser Kontakt mit der Zeit.

Ich glaube das war meine erste Liebe. Ob sie das auch so sah ?

Ich werd es wohl nie erfahren.

Die Zeit ging weiter, und wir führten unser Leben, doch immer wenn ich Diese Geschichte lese, habe ich ihr Bild vor Augen…
U.H.

Was wäre wenn …
das drängt sich schon mal wärend Rückblicken uns auf.
Es müßte ja nicht immer so dramatisch ausgehen wie in Reinhard Mey's Lied über Etienne .
Du fragst mich, liebe Kleine,
warum ich sing und weine,
Du fragest, was mich schmerzt ?
Ich habe den Lenz versäumet.
Ich habe die Jugend verträumet.
Ich habe die Liebe verscherzt.

Mir schwoll der Becher am Munde.
Ich hatte nicht Durst zur Stunde.
Ich ließ vorüber ihn gehn.
Mir winkt' im grünen Laube
Granate, Feig' und Traube,
doch hab' ich sie lassen stehn.

Und als nun kam der Abend,
die Sonn' im Glanz begrabend,
da war mein Durst erwacht;
aber der Becher der Wonnen,
die Früchte waren zerronnen,
und dunkelte rings die Nacht.

Die Welt hat mich verlassen;
nun sing ich auf den Gassen
mein Lied, wie tief es schmerzt:
Ich habe den Lenz versäumet,
ich habe die Jugend verträument,
ich habe die Liebe verscherzt.

Emanuel Geibel, (1815 - 1884)

An die Melancholie !