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Mein Schutzengel
°°
Manchmal passiert es aprupt.
Du machst noch  Scherzchen, wählst entsprechende Geschichten aus, und dann …
dann streift dich doch die Sense des Schnitters -
und du bist froh, wenn du deinem Schutzengel begegnest.
http://uwe-henseler.de/index.php?option=com_content&task=view&id=855&Itemid=37
 
 
Mein Schutzengel
Manchmal ist das Angenehme
bei der Wiederherstellung der
Gesundheit nicht zu vermeiden.
Robert Sheckley

Image Hab' ich ihnen schon von Kerstin erzählt ?
    Ich nenne sie natürlich nur in meinen Gedanken beim Vornamen, wenn ich sie ansprach benutzte ich natürlich ihren Nachnamen, wie es sich geziemt.
    Sicher hätte ich sie gerne unter anderen Umständen kennengelernt als unter den Gegebenen, aber seien wir ehrlich, dann wäre es wohl kaum dazu gekommen. Ich bin ziemlich am Ende meines Weges, und Kerstin ist gerade der Jugendlichkeit entflogen.
    Kerstin war meine Bewegungs-Therapeutin. Sie lehrte mich wieder das laufen, das Treppen steigen und vollführte Bewegungsübungen mit mir. Mit einer freundlichen Strenge korrigierte sie meine Haltung, und das wichtigste, sie stachelte meinen Ehrgeiz an.

Es begann am Freitag, den 13. im Oktober 2006.
    Ich stellte mich auf einen Tag wie jeden anderen ein.
    3 Tage zuvor noch, am 10., hatte ich meinen Geburtstag gefeiert, und das gelungene Fest klang immer noch etwas in mir nach.
    Ab kommenden Montag jedoch waren die Herbstferien zu Ende und es war wieder stärkerer Arbeitsanfall zu erwarten. Ich sollte mich also schon mal mit den Vorbereitungen befassen, sagte ich mir.
    Wie jeden Morgen piepste der Wecker um halb 6, schließlich mußte ich erst mal mit Rex gassi gehen.
    Ich reckte und dehnte mich, bewegte Arme und Beine um das kribbeln los zu werden, daß sich immer mal einstellte, wenn ich bischen falsch gelegen hatte. Gemeinhin halfen einige gymnastische Bewegungen um einen abgestremmten Arm oder sonst durch das Liegen hervorgerufene Beeinträchtigungen wieder in Ordnung zu bringen. Aber heute hielt sich das unangenehme Gefühl hartnäckig. Ich kam nicht in Schwung. Auch war mir immer noch etwas schwindlig und benommen.
     Ich hab' doch gestern garnichts getrunken, dachte ich verwundert bei mir. Also erst noch mal in den Sessel, etwas Zeit war ja noch.
    Als ich das nächste mal auf die Uhr schaute war es fast Acht – na, jetzt aber los.
    Aber es ging schlechter wie vorher. Der Arm kribbelte immer noch und mir war jetzt richtig benommen und schwindlig.
    Jetzt hat's mich erwischt ! dachte ich mir.
    Die Symthome kannte ich schon, denn Vorboten hatte ich schon in verschiedener Intensität mitgemacht, und die Warnungen des Arztes wegen Bluthochdruck und der Gefahr eines Schlaganfalles klangen mir noch im Ohr. Aber in der letzten Zeit hatte ich das mit meinen Pillen etwas verschludert.
     Jutta anrufen ! schoß es mir durch den Kopf.
    Jutta ist meine Ex. Und obwohl, - oder gerade weil wir uns getrennt haben, verstehen wir uns wieder recht gut. Wenn ich etwas suche, wenn mir ein Beleg fehlt, wenn ich Berechnungsarten oder sonst was geschäftliches wissen will, - Jutta hilft.
    Ich tastete mich zum Telefon und rief sie an. Sie war schon auf der Arbeit, aber ich erwischte sie gleich an der Durchwahl.
    „Mir geht's nich' gut, ich glaub' ich brauch mal deine Hilfe, “ sprach ich schleppend ins Telefon, dann legte ich wieder auf.
    Kaum 10 Minuten und ich hörte die Tür. Zwei Sanitäter kamen auf mich zu. Ich wollte gerade fragen: „Was wollen Sie denn hier ?“ da kam Jutta durch den 2. Eingang.
    Plötzlich hatte ich nichts mehr zu melden: „So, jetzt halt mal ruh' und laß die mal machen; - ja ich guck danach; - ja, ja, mach dir keinen Kopf.“
    Ich merkte noch, wie die Sanis mich auf der Trage festschnallten und in den Sanitätswagen verfrachteten, dann weiß ich erst mal nichts mehr. -
    Irgendwann nahm ich noch 2 Männer in Fliegerkombis war: „ … keine Angst zu haben …“ „ … ne, ne.“ Ich hörte noch Hubschraubergedonner. ……

Ich lag im Bett und hatte Besuch. -
    Und dann hatte ich wieder Besuch. -
    Dann war Jani und Micha da, und die setzten mich in einen Rollstuhl und luden mich zum Kaffe ein. Das war in der Mainzer Uniklinik. Sie hatten nachgefragt, ob es etwas ausmachen würde, wenn ich mal in andere Umgebung käme, als nur im Krankenzimmer dahin zu dämmern.
    „ Ja, ja, nehmen sie ihn nur mal mit, das tut ihm sicher gut.“
    Micha machte auf dem Weg zur Cafeteria Faxen mit dem Rollstuhl und wir alberten rum. Ich wollte Jani in der Cafeteria etwas erzählen, etwas in der Art : "Ich hatte mir noch so viel vorgenommen, … ", aber ich hatte die Worte nicht zur Hand. Etwas frustriert starrte ich zur Raumdecke empor. -
    Danach verspürte ich ein hoppeln und rennen. „Micha, machst du wieder dummes Zeug“, wollte ich sagen, aber ich weiß nicht ob es dazu kam. -
    Das nächste war wieder ein Sanitäter der irgend was wie „ … geht’s wieder ?“ zu mir sagte.
    Ich war wohl weggetreten und habe mich in meinen Frust zurückgezogen. Micha und Jani gerieten da natürlich in helle Aufregung, als ich nicht mehr reagierte.
    14 Tage, wie man mir später erzählte, dämmerte ich in der Uni-Klinik herum. Daran habe ich jedoch nur fragmentarische Erinnerung . Ich  vermute, ich schluckte brav meine Pillen, die mir morgens gereicht wurden, und Abends erhielt ich eine Schlaftablette, aber ich hatte nicht das Gefühl, daß sie mir Ruhe brachte. Statt dessen verstärkten sich meine Alpträume. Tage und Träume vermischten sich : Recht genau weiß ich, daß ich in einigen Nächten in einem gelben Zimmer mich befand. Es war 6eckig, und von außerhalb hörte ich lautes Sprechen hereinschallen. Ich mußte also in einem Pavillion im Park liegen.
    Seltsamer Weise konnte ich den Pavillion oder das Gebäude mit den sechseckigen Zimmern später nie wieder finden. -
    Irgendwann hieß es ich würde nach Wiesbaden verlegt, in die Reha-Klinik.

Die Ankunft in Wiesbaden, und die nächsten paar Tage dort waren auch noch geprägt durch ein verfälschtes Wahrnehmungsbild. Dann erst, als ich äußerte, ich vertrüge die Schlaftabletten nicht und wolle abends keine oder zur Not naturbelassene Mittel wie Baldrian benutzen, gegen Ende der ersten Woche, gelang es mir festzustellen, wo ich nun gelandet war.
    Eigentlich nicht übel, dachte ich bei mir.
    Es begannen die Therapien.
    Gymnastisches Programm, motorische und feinmotorische Übungen, Trainieren von Gedächtnis und Wahrnehmung, Wortfindung und Sprachtherapie, kurz ein allumfassendes Programm.
    Daß irgend etwas nicht stimmte hatte ich ja schon in der Uniklinik gemerkt: Das Reichen der Bettpfanne und der Urinflaschen nahm ich als Krankenhausritual hin, obwohl ich mich damit nie anfreunden konnte. Der Ernst der Situation offenbarte sich mir erst, als ich eines Nachts auf Toilette wollte, ohne eine Krankenschwester zu bemühen. Ich schwang die Beine über die Bettkante, wollte aufstehen - und krachte ins Infusionsgestänge. Hilflos und etwas verwundert lag ich am Boden.
    „ … können nicht allein aufstehen!“ hörte ich jemand mahnend sagen. Ich erkannte erst nach und nach, daß meine rechte Seite völlig ohne Gefühl war.
    Die ersten Tage in Wiesbaden mußte ich eine Reihe von Tests über mich ergehen lassen. Hauptsächlich Tests um meine Gefühlssensibilität zu prüfen. So erinnere ich mich an einmal, da piexte eine Therapeutin auf meiner Hand und dem Arm herum. Ich durfte nicht hinsehen und sollte sagen wieviel Stiche ich bemerke. Ich antwortete ihr, daß ich nichts spüre. Da forderte sie mich auf, auf meinen Arm zu schauen, der „Stich“ hatte eine beträchtliche Delle hinterlassen. Ich habe nichts davon registriert.
    Als ich gehen üben sollte, war das nur eine frustrierende Quälerei. Da ich mein rechtes Bein nicht spürte, konnte ich mich auch nicht auf ihm abstützen. Ich war brummig, und als die Therapeutin mich mutmachend wegen dreier Schritte, die ich an der Wand entlang hangelte, loben wollte, knurrte ich, wohl recht genervt: „Das war nicht gut ! Das war garnix !“
    Später erst, ich hatte ihre irritierte Reaktion bemerkt, stellte ich klar, daß ich nicht über ihre Therapiefähigkeit sondern über meine nicht vorhandenen Erfolge gemault habe.
    Es war nach etwa 1½ Wochen, da merkte ich eines Nachts, daß etwas anders war. Mir war, als würde in mir ein Schalter umgelegt. In irgend einer Art registrierte ich ein anderes Bewußtsein. Meine Erinnerungen wurden klarer und konkreter. So fiel mir ein, daß ich dringend Micha, der kurz nach mir Geburtstag hatte, ja noch unbedingt gratulieren mußte. Ich machte das am nächsten Tag telefonisch und erfuhr: Ich hatte ihm schon gratuliert. Daran hatte ich keine Erinnerung. Auch sonst tauchten allerlei Begebenheiten auf, auf die ich zwar reagiert hatte, ich aber auf die Erinnerung daran vorher keinen Zugriff hatte.
    Gleichzeitig spürte ich plötzlich das Ende meines rechten Fußes.
    Die nächste Laufübung war denn auch von mehr Erfolg gekrönt, als die vorherigen Therapiestunden, denn ich konnte unter meinem rechten Fuß den Fußboden spühren, wenn ich auch das Gefühl hatte, ein riesiger Klumpen klebe darunter. Obwohl ich anschließend schweißgebadet war, ich schaffte mit Hilfe der Therapeutin die ganze Länge des Flures. Ich durfte meinen Arm über ihre Schultern legen, wir liefen über den Flur wie ein Liebespaar, und mit einem kunstvollen Griff verschaffte sie mir weitere Stabilität. Dieser Erfolg sorgte bei mir für Hochstimmung. Als wir es auf diese Art bis in mein Zimmer schafften, mußte ich, zwar erschöpft aber, zufrieden lachen. Die Therapeutin blieb noch ein wenig bei mir sitzen, und ich konnte mich zum ersten mal entspannt mit ihr unterhalten.
    Seitdem ging es in allen Therapiebereichen bergauf.
    Von einer Nachbarin aus Alzey bekam ich einen kleinen Schutzengel geschenkt. Er hockt seitdem, - auch jetzt noch, - auf meinem Nachttisch. Mit diesem kleinen Schutzengel identifizierte ich ab jetzt Kerstin, wie ich meine Therapeutin von nun an bei mir im Geiste nannte. Ihren Vornamen hatte ich auf ihrem Namensschild gelesen, daß sie trug. Mit ihrem unermüdlichem Bemühen, oft über manche Übellaunigkeit meinerseits  hinweg, gelang es ihr, mir meine Mobilität, zuerst in kleinen Schritten, dann immer erfolgreicher, zurückzugeben.
     Sicher gab es auch einige kleine Fehlschläge, weil ich ohne Genehmigung des Pflegepersonals die eine oder andere Selbständigkeit erprobte.
     „Sie sollen sich doch nicht allein vom Rollstuhl ins Bett setzen !“ mahnte die Krankenschwester, als sie mich aufsammeln mußte.
    „Sie wollten es wohl mal wieder wissen !“ grinste der Pfleger, als er mich neben dem Lokus aufhob, wo ich das Gleichgewicht verloren hatte, als ich die Hose hochzog.
    Natürlich mußten die Pfleger und Schwestern mich ermahnen, denn ich sollte mir ja nicht die Ohren brechen. Sie blieben aber alle ganz freundlich, und wenn ich etwas probierte, das noch nicht offiziell freigegeben war, schauten sie oft diskret zur Seite. Und meistens klappte es ja auch, von einem Stuhl zum anderen, oder aus dem Rollstuhl auf die Toilette.
    Alle Handlungen des täglichen Lebens mußten von einer Therapeutin abgesegnet werden, wenn ich sie nun wieder selbstständig ausführen wollte.
    So mußte ich beweisen, daß ich mit meinem Rollstuhl nach dem Aufstehen selbstständig im Bad die Funktion von Zahnbürste, Waschlappen und Rasierer, erst elektrisch, später naß, meisterte. Und eines morgens stand die Ergo-Therapeutin, sie war zuständig dafür, daß ich die Allfälligkeiten des normalen Lebens wieder einübte, früh um 7.00 Uhr im Zimmer.
    „Was liegt denn heute so früh schon an ?“ fragte ich und griff meinen Therapieplan vom Nachttisch, um nach zu schauen. „Ah, ja ! - Sie wollen mit mir zusammen duschen.“
    „Ich will sie beim Duschen beaufsichtigen.“ korrigierte sie mich schmunzelnd.
    „Mein ich ja,“ erwiederte ich. „Ich soll für sie Schauduschen.“
    Ich rollte also ins Bad, hängte das Duschgel erreichbar an den Brausehaken, stieg auf den dort stehenden Hocker um, Rollstuhl wegschieben, schauen, daß das Handtuch erreichbar drauf lag, Vorhang zu und los ging's.
    Als ich ausreichend geduscht hatte, Vorhang wieder auf, das Handtuch angeln und abtrocknen.. Mit dem Fuß, dem linken, den Rollstuhl beiziehen. Die Unterwäsche hatte ich auch auf dem -stuhl plaziert und konnte sie nun überstreifen. Aufstehen, ich konnte mich an den Griffen in der Duschkabine festhalten, viertel Drehung nach rechts und ich saß wieder sicher in meinem Gefährt.
    Das rauskommen aus dem Waschraum erforderte etwas Rangierarbeit, aber es ging schon.
     Kontrolle bestanden.
    Mittlerweile war ich recht fit in der Handhabung des Rollstuhls. Wenn ich durch die Gänge spazieren fuhr, oder mich vor's Portal zum frische Luft schnappen begab, oder ich „ging“ mal Nachmittrags ins Café im Erdgeschuß, ich konnte mit dem Stuhl ein ganz schönes Tempo vorlegen.
    Auch die anderen Therapien machten mir nun Spaß, denn ich merkte, daß etwas dabei heraus kam. So freute ich mich, daß mein Werkstück beim Körbchen flechten, in der Mal- und Bastelgruppe, ganz ordentlich gelang.
    In der Frühstücksgruppe, an der ich seit einiger Zeit teilnehmen durfte, um wieder Geschick im Umgang mit Messer und Gabel zu erlangen, stach ich mir auch nicht die Augen aus, und erwarb wieder die Fähigkeit  Brötchen zu schmieren.
    Beim Training mit Kerstin gab ich mir besonders Mühe. Ich wollte, daß sie Stolz auf meine Fortschritte war.
    „Gehen sie gerade, sie sind ein großer Mann ! Merken sie wie ihre Schulter hängt ?“ Unermüdlich stützte sie mich, und mahnte meine Haltung an. Als ich zu ängstlich und zusammengesunken mich die Treppe herrunter hangelte kniff sie mich beherzt in den Hintern. Sofort stand ich kerzengerade: „Nicht gebückt die Treppe gehen, das geht auch aufgerichtet !“ Und ich gab mir alle Mühe.
    Ich fing an, sie sehr nett zu finden. Wir konnten gut mit einander erzählen und das führte dazu, daß ich ihr völlig vertraute. Ich glaubte der Aussage: "Haben sie Geduld, das stellt sich alles wieder ein," denn obwohl man mir versicherte ich mache gute Fortschritte, war ich doch oft ungeduldig und hatte meine Zweifel gehabt, ob das nicht doch nur meiner Beruhigung diente.
    Irgend wann dann hatte ich den Einfall, über meine Rekonvaleszenz einen Erlebnissbericht zu verfassen. Ich begann neuen Mut zu fassen. Mein Interesse auch anderen Dingen gegenüber war wieder zurück gekehrt.
    Jutta und hauptsächlich Jan Tilo hatten dafür gesorgt, daß mein handwerklicher Betrieb ordentlich und sauber abtreten konnte, und die Kunden von einem anderen kompetenten Kollegen betreut wurden. Ich selbst, das hatte ich schon eingesehen, konnte meinen diffizilen Beruf, der ein hohes Maß an manuellem Geschick erfordert, nicht mehr ausüben, und mit Körbchen flechten ist, fürchte ich, kein Geld zu verdienen. Aber das hat ja B.Traven in seiner Geschichte „Der Großindustrielle“ schon eindrucksvoll dargestellt.
    Irgendwann dufte ich hinter einem Rolli hinterher gehen, - dann mußte ich hinter dem Rolli hinterher gehen, denn sie nahmen mir den Rollstuhl weg. Eigentlich schade, denn ab jetzt war ich wieder langsamer unterwegs. Das Fortbewegen auf zwei Füßen ist doch beschwerlicher, stellte ich fest, - zumindest jetzt noch. Und der Vorteil, daß ich jetzt wieder, wenn auch vorsichtig, die Treppen rauf und runter kam, relativierte sich da, wo ein Aufzug vorhanden war. (Schmunzel)
    An einem Morgen, die Frühstücksgruppe war zu Ende, fragte unsere Frühstücksaufsicht: „Wo haben sie denn ihren Rolli hingestellt ?“ Sie wollte ihn mir beiziehen als ich vom Frühstückstisch aufstand.
     „Hab ich im Zimmer gelassen. Geht auch so.“ Ich wünschte „Schönen Tag noch.“ und ging aus dem Frühstücksraum. Hoffentlich merkten die nicht, daß ich noch ganz schön wackelte.
    Eigentlich rechnete ich mit paar Wochen Verlängerung, um meine Fortschritte zu festigen, doch die hübsche Dame des Sozialdienstes eröffnete mir, daß ich aus versicherungstechnischen Gründen in dieser Klinik nicht mehr bleiben durfte.
    Etwas traurig war ich im ersten Moment schon, daß ich weg sollte. Es hatten sich doch manch vertrauensvolle Sympathien entwickelt. Die Therapeuten versicherten mir aber beruhigend, daß die Reha-Klinik in Bad Camberg einen guten Ruf habe, und die Art der Kinik eher einem Hotel als einem Krankenhaus ähnlich sei.
    Also verabschiedete ich mich, nahm die beste Wünsche aller für die Zukunft entgegen.

Bad Camberg ist nun auch schon vorüber.
    Sie ließen mich 8 Wochen dort.
    Diese Reha-Klinik ist tatsächlich ganz anders aufgebaut als die in Wiesbaden. Wohl sind da die Therapiegruppen fast gleich, doch die Anforderungen, vornehmlich die sportlichen, sind um einiges anspuchsvoller. Und auch das stimmt: diese Klinik wirkt weniger wie ein Krankenhaus, sie vermittelt das Gefühl in einem Hotel zu sein, wäre da nicht auf jedem Stockwerk ein Schwesternzimmer.
    Untergebracht waren wir in Einzelzimmern mit Dusche und Toilette. Auf die Einhaltung unserer Therapiepläne mußten wir selbst achten, zum Blutdruck messen mußten wir uns zu bestimmten Zeiten in's Schwesternzimmer bemühen, nur unsere  Medikamente bekamen wir täglich im Laufe des Vormittags in unsere Zimmer gelegt.
    Man brachte uns wieder eigenes Denken und Handeln bei.
    Die Mahlzeiten nahmen wir gemeinsam im Speiserestaurant ein.
    Am Anfang tat ich mich schwer mit dieser Selbstständigkeit. Zum Laufen besorgte ich mir einen Stock als Stütze, weil ich doch noch arg wackelte und im Speiseraum schmiß ich anfangs zwei mal meine Stullen am Büffet auf den Boden, weil ich die Kontrolle über meine rechte Hand noch nicht im Griff hatte. Aber die Anderen hatten auch mehr oder weniger ihre Malessen, und so wurde keiner ausgegrinst und wir halfen uns gegenseitig so gut es ging. Es ergab sich daraus ein ausgiebiger Kontakt zu den anderen Patienten, - oder waren wir schon Gäste ?- und manche Freundschaft oder zarte Bande konnte entstehen.
    Doch das ist eine andere Geschichte.

Hier möchte ich nur sagen:
    „Danke Kerstin. Und danke den anderen Therapeuten.“
    Natürlich auch denen in Bad Camberg.