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Woche362
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Ein Junge und sein Hund
°
Es ist klar, daß du zu deinem Hund hältst, wie er ja auch für dich durchs Feuer gehen würde.
Und wenn sich nun ein Wesen zu euch gesellt, das speziell deine Wünsche und Bedürfnisse befriedigen kann ?
Wirst du beiden gerecht werden ?
Oder muß eine Entscheidung getroffen werden.

Gelesen in:
Playboy Science Fiction 6723
Harlan Ellison
Ein Junge und sein Hund
Moewig Verlag
ISBN 3-8118-6723-7
http://uwe-henseler.de/index.php?option=com_content&task=view&id=835&Itemid=37
 
Ein Junge und sein Hund

von

Harlan Ellison

 


1

ImageIch war mit Blood, meinem Hund, ausgegangen. In dieser Woche legte er es darauf an, mich zu ärgern. Er nannte mich andauernd Albert. Er fand das verdammt komisch. Payson Terhune - ha, ha ! Ich fing ihm ein paar Wasserratten - große grüne und ockergelbe und einen manikürten Pudel, der sich irgendwo in den Unterregionen von der Leine losgerissen hatte. Er hatte verflucht gut gegessen, aber er war mißgelaunt. „Komm, du Hurensohn“, befahl ich, „such mir ein Stück von einem Arsch !”
Aber Blood kicherte nur, tief unten in seinem Hundehals. „Du bist wirklich komisch, wenn du dich aufregst“, sagte er.
Vielleicht komisch genug, um ihn in den Arschschließmuskel zu treten, diesen miesen Burschen, der aus einem australischen Wildhundrudel geflohen ist.
„Los, such ! Ich mache keine Witze !“
„Schäm dich, Albert ! Nach allem, was ich dir beigebracht habe …“
Aber er wußte, daß ich am Ende meiner Geduld angelangt war. Langsam fing er an, nach einer Fährte zu suchen. Er setzte sich auf die zerbröckelten Reste des Bordsteins, seine Lider zitterten und schlossen sich, sein behaarter Körper spannte sich an. Nach einer Weile ließ er sich langsam auf die Vorderläufe nieder und schob sie nach vorn, bis er ganz flach auf dem Bauch lag; sein zottiger Kopf ruhte auf den Vorderpfoten. Seine Verkrampfung lockerte sich, und er begann zu zittern, fast genauso, als wollte er seine Flohbisse kratzen. So ging das weiter, fast eine Viertelstunde lang. Schließlich rollte er sich auf den Rücken und reckte seinen nackten Bauch in den Nachthimmel, die Vorderläufe wie Heuschreckenbeine gekreuzt, die Hinterläufe ausgestreckt und gespreizt. „Tut mir leid“, sagte er. „Da ist nichts.“
Ich wäre fast verrückt geworden und trat nach ihm, aber ich wußte, daß er es zumindest versucht hatte. Ich war keineswegs glücklich darüber, denn ich wollte es wirklich machen, aber was sollte ich tun ? „Okay“, sagte ich resigniert. „Vergiß es.“
Er rollte sich auf die Seite und sprang rasch auf. „Was willst du jetzt tun ?“ fragte er.
„Was können wir denn schon tun ?“ stieß ich sarkastisch hervor, und er setzte sich wieder zu meinen Füßen und sah unverschämt unterwürfig aus.
Ich lehnte mich an den verbogenen Stumpen eines Laternenpfahls und dachte an die Mädchen. Es tat richtig weh. „Wir können ja ins Kino gehen“, schlug ich vor. Blood blickte die Straße hinab, auf die Schattenteiche, die in den von Unkraut überwucherten Kratern lagen, und sagte nichts. Der Kleine wartete darauf, daß ich jetzt sagte: ,Okay, gehen wir.‘ Er war ebenso versessen auf Filme wie ich.
„Okay, gehen wir.“
Er stand auf und folgte mir, mit hängender Zunge, keuchend vor Glück. Lauf nur los und lach dich krank, du Eierlutscher. Popcorn kriegst du jedenfalls nicht.

›Unsere Gang‹ war eine Diebesbande, die sich nie damit zufriedengegeben hatte, auf Futtersuche zu gehen. Ein bißchen Luxus gehörte auch dazu, und sie hatten eine raffinierte Methode entwickelt, sich mit Luxus zu umgeben. Da waren mehrere kinoorientierte Jungs, und die hatten den Jagdgrund okkupiert, wo das Metropole Theatre lag. Niemand versuchte ihr Gebiet kaputtzumachen, denn wir brauchten alle die Filme, und solange Unsere Gang Zugang zu Filmen hatte und sie auch abspulte, vollbrachte sie eine echte Dienstleistung, auch für Solos wie Blood und mich. Ganz besonders für Solos wie uns.
An der Tür mußte ich meinen .45er und meinen Browning .22-long abgeben. Da war ein kleiner Alkoven rechts neben dem Eintrittskartenschalter. Zuerst kaufte ich die Karten. Das kostete mich eine Dose Oscar Meyer Philadelphia-Schweinefleisch und Blood eine Sardinenbüchse. Dann bedeuteten mir die Wachtposten von Unserer Gang mit ihren Bren-Gewehren, in den Alkoven zu gehen, und ich gab meine Waffen ab. Ich sah Wasser aus einer zerbrochenen Röhre an der Decke tropfen, und ich sagte dem Checker, einem Jungen mit großen, lederartigen Warzen im ganzen Gesicht und auf den Lippen, daß er sich meine Schießeisen an einer Stelle anschauen sollte, wo es trocken war. Er ignorierte mich. „He, du verhurte Kröte, bring meine Waffen dort rüber auf die andere Seite ! Das Zeug rostet so schnell. Und wenn es irgendwo Flecken kriegt, zerschlag ich dir alle Knochen.“
Er hob die Faust, um mir einen Kinnhaken zu versetzen, blickte zu den Wachtposten mit den Brens hinüber. Er wußte, wenn sie mich jetzt rauswarfen, durfte ich das Kino nie mehr betreten. Aber die Wachtposten waren nicht scharf auf ein Gerangel, wahrscheinlich waren sie zu schwach dazu. Sie bedeuteten ihm, mir das durchgehen zu lassen und zu tun, was ich wollte. Und so trug die Kröte meinen Browning zum anderen Ende des Waffengestells und schob meinen .45er darunter.
Blood und ich gingen zum Zuschauerraum.
„Ich will Popcorn.“
„Vergiß es.“
„Komm schon, Albert ! Kauf mir Popcorn !“
„Ich bin pleite. Du kannst auch ohne Popcorn leben.“
„Du bist ein Scheißkerl.“
Ich zuckte mit den Schultern und dachte: Du kannst mich ja verklagen.
Wir gingen hinein. Der Raum war gerammelt voll. Ich war froh, daß die Wachen nicht versucht hatten, mir noch was anderes als meine Schießeisen abzunehmen. Mein Spieker und mein Messer steckten in ihren geölten Scheiden an meinem Nacken und fühlten sich sehr tröstlich und ermutigend an. Blood entdeckte zwei freie Plätze nebeneinander, und wir gingen in die Reihe und traten auf mehrere Füße. Irgend jemand fluchte, und ich ignorierte ihn. Ein Dobermann knurrte. Bloods Haare sträubten sich, aber er unternahm nichts. Man traf überall auf hartgesottene Burschen, sogar auf so neutralem Boden wie im Metropole.
Ich hörte mal von einer Keilerei im Granada des alten Lo-ew auf der Südseite. Danach waren zehn oder zwölf Räuber und ihre Hunde tot, das Kino war niedergebrannt, und das Feuer hatte ein paar gute Cagney-Filme ruiniert. Damals hatten sich die Räuberbanden darauf geeinigt, daß Kinos in Zukunft tabu sein müßten. Jetzt war es besser, aber es gab immer noch Kerle, die zu verdreht im Kopf waren, um mit der weichen Welle zu schwimmen.
Die Vorführung bestand aus drei Filmen. „Raw Deal“ mit Dennis O´Keefe, Ciaire Trevor, Raymond Burr und Marsha Hunt war der älteste. Er war 1948 gedreht worden, vor sechs-undsiebzig Jahren. Gott allein weiß, wieso das verdammte Ding die ganze Zeit gehalten hat. Der Film rutschte andauernd von der Führungsrolle, und sie mußten ihn mehrmals stoppen, um ihn wieder einzuspannen. Aber es war ein guter Film. Er handelte von diesem Solo, der von seiner Bande reingelegt wird und dann Rache übt. Gangster, Mob und viel Gerangel - echt gut.
Der mittlere Film stammte aus dem Dritten Weltkrieg und war im Jahre 07 gedreht worden, zwei Jahre vor meiner Geburt, und hieß „Ein stinkender Chinese“. Zum größten Teil sah man hervorquellende Eingeweide und hübsche Kämpfe. Eine besonders schöne Szene zeigte ein Vorpostengefecht von Windhunden, die mit Napalmwerfern bewaffnet waren und eine chinesische Stadt einschmolzen. Blood war fasziniert, obwohl wir den Film schon mal gesehen hatten. Er hatte die verrückte Idee, daß die Windhunde seine Ahnen wären. Aber das war natürlich nur Einbildung, und er wußte auch, daß ich das wußte.
„He, willst du ein Baby verbrennen ?“ flüsterte ich ihm zu. Der Stachel saß, und er rutschte nur auf seinem Sitz herum, sagte nichts und sah zufrieden zu, wie die Hunde durch die Stadt stürmten. Ich langweilte mich tödlich.
Ich wartete auf den Hauptfilm. Endlich fing er an. Er war sehr schön, ein Porno aus den späten 1970er Jahren, mit dem Titel „Das große schwarze Spaltleder“. Schon der Anfang war Klasse. Diese zwei Blondinen in schwarzen Lederkorsetts und Stiefeln bis zu den Oberschenkeln, mit Peitschen und Masken, schlugen diesen dürren Burschen nieder. Dann setzte sich einer der Hasen auf sein Gesicht, während der andere über ihn herfiel. Danach wurde es wirklich haarig.
Die Solos ringsum spielten alle an sich herum. Ich wollte gerade auch anfangen, als sich Blood zu mir rüberbeugte und mit einer ganz sanften Stimme sagte, wie immer, wenn er was Ungewöhnliches wittert: „Hier ist ein Hase.“
„Du bist verrückt.“
„Ich sage dir, ich kann die Puppe riechen. Die ist hier drin, Mann.“
Unauffällig blickte ich mich um. Fast alle Sitze waren von Solos mit ihren Hunden okkupiert. Wenn ein Mädchen reingeschlichen wäre, hätte es einen Aufstand gegeben. Man hätte sie in Stücke gerissen, bevor es einem der Jungs gelungen wäre, in sie einzudringen. „Wo ?“ fragte ich leise. Die Solos ringsum beschleunigten ihr Tempo und stöhnten, während die Blondinen die Masken abnahmen und die eine den dürren Burschen mit einem Holzstab bearbeitete, den sie sich um die Hüften gebunden hatte.
„Laß mir eine Minute Zeit“, sagte Blood. Er konzentrierte sich. Sein Körper war straff wie ein Stück Draht. Die Augen waren geschlossen, die Schnauze bebte. Ich ließ ihn arbeiten.
Es war möglich. Vielleicht war es möglich. Ich wußte, daß sie wirklich dumme Filme in den Unterregionen gemacht hatten, so ähnlich wie in den 1930er und 40er Jahren, lauter saubere Sachen, wo sogar Ehepaare in getrennten Betten schliefen. Im Stil von Myrna Loy und George Brent. Ich wußte auch, daß manchmal ein Hase aus den sittenstrengen unteren Mittelklasseregionen hier heraufkam, um einen wirklich guten Film zu sehen. Ich hatte davon gehört, aber in den Kinos, die ich besuchte, hatte ich noch kein einziges Mädchen gesehen.
Und die Chancen, daß das im Metropole passierte, waren besonders gering. Hier kamen fast nur Schwule her. Man muß das richtig verstehen - ich habe nichts gegen Jungs, die´s miteinander treiben - zum Teufel, ich kann das gut verstehen. Es gibt eben einfach nicht genug Hasen. Aber ich kann mich nicht in die Jockey-und-Boxer-Szene begeben, denn dann hat man bald einen schwachen, eifersüchtigen kleinen Boxer am Hals. Man muß für ihn auf die Jagd gehen, und er glaubt, er braucht nichts weiter dafür zu tun, als seinen Arsch hinzuhalten. Das ist genauso schlimm, als wenn man einen Hasen im Schlepptau hat. Auch das gibt viel böses Blut in den größeren Räuberbanden und verursacht eine Menge Schlägereien. Also habe ich mich niemals auf so was eingelassen. Nun, „niemals“ kann ich eigentlich nicht sagen - aber schon lange nicht mehr.
Und weil im Metropole so viele Schwule herumsaßen, nahm ich nicht an, daß ein Hase hier eine Chance hätte. Es würde ein Riesengerangel drum geben, wer ihr zuerst die Beine auseinanderreißen durfte - die Jockeys oder die Normalen. Und wenn sie wirklich da war, warum konnte sie keiner von den anderen Hunden wittern ?
„In der dritten Reihe vor uns“, sagte Blood. „Seitensitz. Wie ein Solo angezogen.“
„Wieso kannst du sie riechen, wenn kein anderer Hund ihre Witterung aufgeschnappt hat ?“
„Du vergißt, wer ich bin, Albert.“
„Ich erinnere mich daran - aber ich glaube es nicht.“
Obwohl ich es im Innersten wahrscheinlich doch glaubte. Wenn man so dumm war wie ich und so viel von einem Hund wie Blood gelernt hat, glaubt man fast alles, was er sagt. Man streitet nicht mit seinem Lehrer.
Nicht wenn er einem Lesen und Schreiben und Addieren und Subtrahieren und alles andere beigebracht hat, was die Leute früher wußten und was solche Schlauköpfe aus ihnen machte (was aber jetzt kaum noch Bedeutung hat, außer daß es vermutlich ganz gut ist, wenn man´s weiß).
(Das Lesen ist verdammt gut. Es ist so praktisch, wenn man irgendwo Konserven findet, zum Beispiel in einem ausgebombten Supermarkt. Man kann sich die Sachen raussuchen, die man mag, auch wenn die Bilder auf den Etiketts nicht mehr zu erkennen sind. Meine Kenntnisse haben mich schon ein paarmal davor bewahrt, rote Bete mitzunehmen. Scheiße, ich hasse rote Bete.)
Und so glaubte ich ihm auch, daß er einen Hasen hier im Kino wittern konnte, obwohl das kein anderer Hund schaffte. Er hatte mir das alles schon millionenmal erzählt. Es war seine Lieblingsstory. Er nannte das „Geschichte“. Jesus, so dumm bin ich auch wieder nicht. Ich weiß, was Geschichte ist. All das Zeug, das vor der Gegenwart passiert ist.
Aber es gefiel mir besser, wenn Blood mir den historischen Kram erzählte, als wenn er mir sagte, ich sollte das alles in den schäbigen Büchern lesen, die er immer mit sich herumschleppte. Und jener besondere Teil der Geschichte war ihm stets gegenwärtig, und er erzählte mir immer wieder davon, bis ich die Story auswendig kannte.
Und wenn einem ein Hund alles beigebracht hat, was man weiß, und wenn man seine Geschichten schließlich auswendig kann, dann glaubt man eines Tages daran. Aber das werde ich diesem Beinheber natürlich niemals sagen.

 

2

Und dies ist die Story, die ich auswendig kann:
Vor fünfzig Jahren, bevor der Dritte Weltkrieg ausbrach, lebte in Cerritos, Los Angeles, ein Mann namens Buesing. Er züchtete Hunde zu Wachtposten und Angreifern heran - Dobermänner, dänische Doggen, Schnauzer und japanische Akitas. Er hatte eine vierjährige deutsche Schäferhündin namens Ginger. Sie arbeitete für das Rauschgiftdezernat der Polizei von Los Angeles und konnte Marihuana wittern, und wenn es noch so gut versteckt war. Sie wurde mal getestet. In einem Kaufhaus für Autoteile standen fünfundzwanzigtausend Warenkisten. In fünf Kisten steckte Marihuana, in Cellophan gewickelt, dann in Alufolie und dickes braunes Papier, verteilt auf drei versiegelte Kartons. Nach sieben Minuten hatte Ginger alle fünf Päckchen gefunden. Zur gleichen Zeit, da Ginger aktiv war, hatten Zetologen zweiundneunzig Meilen weiter nördlich, in Santa Barbara, die Rückenmarksflüssigkeit von Delphinen gewonnen, konzentriert und Bärenpavianen sowie Hunden injiziert. Nach mehreren chirurgischen Umwandlungen und Verpflanzungen bestand das erste erfolgreiche Produkt dieser zetologischen Experimente in einem zweijährigen Puli namens Ahbhu, der auf telepathischem Weg Sinneseindrücke vermitteln konnte. Durch Kreuzungen und weitere Experimente wurden die ersten Kampfhunde hervorgebracht - gerade rechtzeitig für den Dritten Weltkrieg. Aufgrund ihrer telepathischen Fähigkeiten, die über kurze Entfernungen hinweg wirkten, konnten sie leicht ausgebildet und in die Lage versetzt werden, Benzin oder Truppen oder Giftgas oder Radiationen aufzuspüren; sobald sie mit ihren menschlichen Kontrolleuren verbunden waren, entwickelten sie sich zu den Schockkommandos einer neuen Kriegsform. Einzelne Wesenszüge wurden selektiv gezüchtet, und mit der Zeit wuchsen die telepathischen Kräfte der Dobermänner, Windhunde, Akitas, Pulis und Schnauzer.
Ginger und Ahbhu waren Bloods Ahnen gewesen. Das hatte er mir tausendmal erzählt. Er hatte mir die Geschichte genauso erzählt, wortwörtlich so, wie man sie ihm erzählt hatte. Ich hatte ihm geglaubt - aber nicht wirklich - bis jetzt. Vielleicht war der kleine Bastard wirklich was Besonderes.
Ich entdeckte den Solo, der eingeklemmt im Seitensitz saß, drei Reihen vor mir. Ich konnte überhaupt nichts feststellen. Die Gestalt hatte die Kappe tief ins Gesicht gezogen, die Schaffelljacke war geschlossen.
„Bist du sicher ?“
„Natürlich. Es ist ein Mädchen.“
„Wenn´s ein Mädchen ist, dann spielt sie genauso an sich rum wie die Jungs.“
Blood kicherte. „Überrascht dich das ?“ fragte er sarkastisch.

Der mysteriöse Solo sah sich „Raw Deal“ noch einmal an. Das ergab einen gewissen Sinn, wenn es ein Mädchen war. Die meisten Solos und alle Mitglieder der Räuberbanden waren nach dem Porno gegangen. Ein Boxer lag vor einem Jokkey auf den Knien und ließ ihn ran, aber ich bezweifelte, daß es einen der beiden Schwulen interessierte, ob ein Mädchen im Kino saß oder nicht. Der Zuschauerraum füllte sich nicht mehr. Die Straßen wurden allmählich leerer. Er oder sie hätte jetzt die Chance, dorthin zurückzukehren, woher er oder sie gekommen war. Ich sah mir „Raw Deal“ noch einmal an. Blood schlief ein.
Als der geheimnisvolle Solo aufstand, ließ ich ihm oder ihr erst mal Zeit, die Waffen zu holen und hinauszugehen. Dann zog ich an Bloods großem, zottigem Ohr und sagte: „Komm !“ Er schlurfte hinter mir durch den Mittelgang.
Ich holte meine Kanonen und sah mich draußen auf der Straße um. Leer. „Okay, Nase. Wohin ist er gegangen ?“
„Du meinst - sie. Da drüben nach rechts.“
Ich setzte mich in Bewegung und griff nach meiner Patronentasche, um die Browning zu laden. Ich sah niemanden zwischen den ausgebombten Gebäuden. Dieser Stadtteil war wirklich sehr schäbig. Aber da Unsere Gang andauernd ins Metropole rannte, brauchte sie nichts anderes zu reparieren, um ihr Dasein zu fristen. Es war geradezu eine Ironie. Die Drachen betrieben ein ganzes Kraftwerk, um von den anderen Räuberbanden Tribut zu kriegen. Teds Bunch kümmerte sich um das Reservoir. Die Bastinados arbeiteten wie die Sklaven auf den Marihuana-Feldern. Die Barbados Blacks verloren jedes Jahr ein paar Dutzend Mitglieder, weil sie die Radiationsgruben in der ganzen Stadt saubermachten. Und Unsere Gang war nur für das Kino zuständig.
Wer immer ihr Anführer gewesen war und wie viele Jahre es auch immer zurückliegen mochte, daß sich aus den plündernden Solos eine Bande gebildet hatte - eins mußte man ihm lassen, er war ein verdammt harter Knochen gewesen, und er hatte es verstanden, sich seine Domäne auszusuchen.
„Hier ist sie abgebogen“, sagte Blood.
Ich folgte ihm, als er zum Stadtrand trottete, zu der bläulichgrünen Radiation, die immer noch über den Hügeln flackerte. Es war schon fast einen Monat her, seit Blood einen Solo-Hasen im Keller des Market Basket aufgestöbert hatte. Sie war schmutzig gewesen, und mir hatte vor ihr gegraust, aber sie war eine Frau gewesen, okay. Nachdem ich sie festgebunden und ein paarmal geschlagen hatte, war sie verdammt gut gewesen. Es hatte ihr gefallen, auch wenn sie mich angespuckt und mir erzählt hatte, sie würde mich töten, sobald sie frei wäre. Um sicherzugehen, hatte ich sie gefesselt liegen lassen. Sie war nicht mehr dort gewesen, als ich in der vorletzten Woche mal nachgesehen hatte.
„Paß auf !“ sagte Blood und ging um einen Krater herum, der in dem Schatten fast unsichtbar war. Irgend etwas bewegte sich in dem Krater.
Während ich durch das Niemandsland ging, erkannte ich, warum fast alle Solos oder Bandenmitglieder Jungs waren. Der Krieg hatte die meisten Mädchen umgebracht, und so war es in allen Kriegen gewesen - das hatte Blood zumindest behauptet. Die Dinger, die danach auf die Welt kamen, waren weder Junge noch Mädchen und mußten an den Wänden zertrümmert werden, sobald man sie aus den Mutterleibern gezogen hatte.
Die wenigen Hasen, die sich nicht zur Mittelklasse in den unteren Regionen gesellt hatten, waren beinharte Einzelgän-gerinnen wie das Mädchen im Market Basket. Zäh und drahtig und stets bereit, einen Burschen mit einer Rasierklinge zu kastrieren, sobald sie ihn hineingelassen hatten. Und je älter ich wurde, desto schwieriger wurde es, ein Stück Arsch zu kriegen.
Aber hin und wieder hatte es ein Hase satt, Bandeneigentum zu sein. Oder fünf bis sechs Banden überfielen gemeinsam eine arglose untere Region. Oder - so wie es diesmal war - ein Mittelklassehase aus einer Unterregion bekam heiße Hosen und wollte sich mal einen Porno anschauen.
Ich würde es endlich mal wieder treiben. O Junge, ich konnte es kaum erwarten !

 

3
Hier draußen gab es nichts als die leeren Leichen der zerbombten Häuser. Ein Block war ganz flachgedrückt worden, als hätte sich plötzlich eine Stahlpresse vom Himmel herabgesenkt und mit einem einzigen gewaltigen Wumm alles unter sich zu Staub zermahlen. Die Puppe war verängstigt und nervös, das sah ich ihr an. Sie eilte mit hektischen Schritten dahin, blickte immer wieder über die Schulter und nach rechts und links. Sie wußte, daß sie sich in einem gefährlichen Territorium befand. Mann, wenn sie nur wüßte, wie gefährlich es hier war …
Ein einsames Gebäude stand am Ende des flachgedrückten Häuserblocks, wie durch Zufall verschont. Sie verschwand darin, und eine Minute später entdeckte ich ein tanzendes Licht - vielleicht eine Taschenlampe.
Blood und ich überquerten die Straße und betraten den schwarzen Boden, der das Haus umgab. Das war alles, was vom CVJM übriggeblieben war. Das bedeutete „Christlicher Verein Junger Männer“. Immerhin hatte mir Blood das Lesen beigebracht. Aber was zum Teufel war ein Christlicher Verein junger Männer ? Wenn man lesen kann, steht man oft vor viel mehr unbeantworteten Fragen, als wenn man dumm bleibt.
Ich wollte nicht, daß sie herauskam. Drinnen konnte ich´s genausogut mit ihr treiben wie sonstwo. Und so postierte ich Blood als Wache neben den Stufen, die zu der Ruine hinaufführten, und ging zur Hinterfront. Die Türen und Fenster waren natürlich alle rausgesprengt worden. Es war nicht schwierig, hineinzukommen. Ich zog mich auf ein Fenstersims hinauf und ließ mich drinnen runterfallen. Es war dunkel. Kein Geräusch war zu hören, außer ihren Schritten auf der anderen Seite des CVJM. Ich wußte nicht, ob sie hohe Absätze trug, und ich wollte nichts riskieren. Also schlang ich mir die Brow­ning um die Schulter und zog den .45er Automatic. Ich mußte den Hahn nicht zurückziehen. Es war immer eine Kugel in der Kammer.
Vorsichtig durchquerte ich das Zimmer. Offenbar war es ein Umkleideraum. Auf dem ganzen Boden lagen Glasscherben und Schutt, und an einer Reihe von Metallschränken war die Farbe abgeblättert. Die Bombe hatte sie vor vielen Jahren durch die Fenster getroffen. Meine Turnschuhe machten keinen Lärm.
Die Tür hing an einer Angel, und ich stieg durch das umgedrehte Dreieck, das sie mit dem Rahmen bildete. Nun betrat ich ein Hallenbad. Das große Becken war leer, am seichten Ende hatten sich die Kacheln verbogen. Es stank entsetzlich - kein Wunder, denn die Leichen der Jungs oder was von ihnen übrig war, lagen an einer Wand. Irgendwelche lausigen Saubermänner hatten sie aufeinandergestapelt, aber nicht begraben. Ich zog mir meine Bandana über Nase und Mund und ging weiter.
Nachdem ich das Hallenbad verlassen hatte, ging ich durch einen schmalen Korridor, von dessen Decke dunkle Glühbirnen hingen. Ich konnte genug sehen, denn das Mondlicht drang durch die glaslosen Fenster und ein Loch in der Decke herein. Nun hörte ich ihre Schritte ganz deutlich, direkt auf der anderen Seite der Tür am Ende des Korridors. Ich hielt mich dicht an der Wand, als ich auf die Tür zuging. Sie stand einen Spaltbreit offen, aber der Zugang wurde durch einen Berg aus Mörtel und Putzträgersplittern versperrt, die sich aus der Wand gelöst hatten. Es würde ziemlich laut knirschen, wenn ich die Tür aufzustoßen versuchte. Also mußte ich einen günstigen Augenblick abwarten.
Flach an die Wand gepreßt, schaute ich nach, was sie da drinnen machte. Es war ein großer Turnsaal, mit Klettertauen, die von der Decke hingen. Sie hatte eine viereckige Acht-Zellen-Taschenlampe auf ein Pferd gelegt. Da waren parallele Barren und ein Stufenbarren, etwa acht Fuß hoch. Die Stahlteile waren trotz des hohen Härtegrads verrostet. Da waren Ringe, ein Trampolin und ein massiver hölzerner Schwebebalken. An einer Seite waren Wandbarren und Schwebebänke angebracht, horizontale und schräge Leitern und ein paar Sprungkästen. Ich beschloß, mir diese Bude zu merken. Sie war viel besser als der provisorische Turnsaal, den ich in einer alten Schrottautohalle eingerichtet hatte. Ein Junge muß fit bleiben, wenn er solo ist.
Sie hatte ihre Verkleidung abgelegt, trug nichts als Haare und stand zitternd da. Es war wirklich kalt, und ich sah, daß sie eine Gänsehaut hatte. Sie hatte hübsche Titten und dünne Beine. Jetzt bürstete sie gerade ihr Haar. Es hing ihr auf den Rücken hinab. Die Taschenlampe brannte nicht hell genug, und so konnte ich nicht feststellen, ob sie kupferrot oder kastanienrot war. Jedenfalls war sie nicht blond, und das war gut, denn ich bin scharf auf Rothaarige. Sie hatte wirklich hübsche Titten. Ihr Gesicht konnte ich nicht sehen, denn ihr leicht gewelltes Haar verbarg ihr Profil wie ein Vorhang.
Die Kleider, die sie getragen hatte, lagen auf dem Boden, und was sie anziehen wollte, hing über dem Pferd. Sie hatte kleine Schuhe mit komischen Absätzen an.
Ich konnte mich nicht bewegen. Plötzlich merkte ich, daß ich mich nicht bewegen konnte. Sie war hübsch, wirklich hübsch. Und ich hatte eine ganze Menge davon, daß ich ein-fach nur dastand und sah, wie sich ihre Taille nach innen bog und wie ihre Hüften nach außen schwangen, wie sich die Muskeln an den Seiten ihrer Titten bewegten, wenn sie die Arme zum Oberkopf hob, um die Haare nach unten zu bürsten. Es war wirklich unheimlich, wie viel mir das gab, einfach nur dazustehen und ihr zuzuschauen. Sie war richtig weiblich, und sie gefiel mir sehr gut.
Noch nie hatte ich ein Mädchen auf diese Weise angestarrt. Die anderen, die ich bisher gesehen hatte, waren Schlampen gewesen, die Blood für mich aufgestöbert und die ich einfach genommen hatte. Oder die großen, üppigen Puppen in den Pornos. Aber nicht so eine, die so weich und glatt war, trotz der Gänsehaut. Ich hätte sie die ganze Nacht beobachten können.
Sie legte die Bürste beiseite, nahm ein Höschen von dem Kleiderhaufen und schlüpfte hinein. Dann zog sie ihren BH an. Ich hatte nicht gewußt, wie die Hasen so was machen. Sie legte den BH verkehrt herum um die Taille und machte den Haken zu. Dann drehte sie ihn herum, so daß die Körbchen vorn waren, und zog sie über die Brüste, erst über die eine, dann über die andere. Zum Schluß streifte sie die Träger über die Schultern. Sie griff nach dem Kleid, und ich schob ein bißchen was von dem Mörtel und den Holzsplittern zur Seite, ergriff die Tür, um ihr einen Stoß zu geben.
Sie hatte das Kleid über den Kopf gehalten und war mit den Armen hineingefahren, und in dem Augenblick, da ihr Kopf drinnen steckte, stieß ich die Tür auf. Es knirschte und krachte, als der Mörtel und die Holzsplitter davonflogen. Und bevor sie das Kleid herabziehen konnte, hatte ich sie schon gepackt.
Sie begann zu schreien, und ich riß ihr das Kleid runter, und das alles geschah so schnell, daß sie gar nicht wußte, woher der krachende, knirschende Lärm gekommen war.
Ihr Gesicht war verzerrt, mit großen Augen, deren Farbe ich nicht erkennen konnte, weil sie im Schatten waren. Sie hatte wirklich schöne Gesichtszüge - einen breiten Mund, eine kleine Nase, Wangenknochen so wie ich, hoch und vorstehend, und ein Grübchen in der rechten Wange. Entsetzt starrte sie mich an.
Und dann - es war wirklich unheimlich - hatte ich das Gefühl, daß ich etwas zu ihr sagen müßte. Ich wußte nicht, was - irgend etwas. Es bereitete mir Unbehagen, daß sie solche Angst hatte, aber was zum Teufel sollte ich dagegen tun ? Ich würde sie trotz allem vergewaltigen, und ich konnte ihr wohl kaum sagen, daß sie sich nicht so anstellen sollte. Immerhin war sie das erste Mädchen nach langer Zeit. Und trotzdem wollte ich ihr sagen: He, reg dich nicht auf. Du brauchst keine Angst zu haben. Ich will dich doch nur langlegen. (Das war mir nie zuvor passiert. Ich hatte noch nie das Bedürfnis gehabt, einer Puppe irgendwas zu sagen. Ich hatte immer nur in sie rein wollen, und das war´s dann gewesen.)
Aber dieser seltsame Augenblick ging vorbei, und ich schob mein Knie zwischen ihre Beine und stieß sie nach hinten, und sie fiel in einen Schutthaufen. Ich richtete den .45er auf sie, und ihr Mund öffnete sich zu einem kleinen O. „Jetzt gehe ich mal rüber und hole uns eine Ringermatte. Dann haben wir´s bequemer. Wenn du aufzustehen versuchst, schieß ich dir ein Bein weg. Ich werde es so oder so mit dir treiben, egal, ob du ein Bein mehr oder weniger hast.“ Ich wartete, bis sie mich wissen ließ, daß sie alles verstanden hatte. Schließlich nickte sie ganz langsam. Ich zielte mit dem Automatic auf sie, während ich zu dem staubigen Mattenstapel ging und eine runterzog.
Ich schleifte die Matte zu ihr rüber und legte sie so hin, daß die reinere Seite oben war. Dann benutzte ich die Mündung des .45er, um das Mädchen raufzumanövrieren. Sie saß auf der Matte, die Hände nach hinten gestützt, die Beine angewinkelt, und starrte mich an.
Ich öffnete den Reißverschluß meiner Hose und begann sie nach unten zu ziehen, als ich merkte, daß sie mich ganz komisch anstarrte. Ich ließ die Jeans los und fragte: „Warum schaust du mich denn so an ?“
Ich war verrückt. Ich wußte nicht, warum, aber ich war tatsächlich verrückt.
„Wie heißt du ?“ fragte sie. Ihre Stimme klang sehr weich und irgendwie pelzig - als wäre der Hals, durch den sie heraufdrang, innen ganz behaart. Sie sah mich immer noch an und wartete auf eine Antwort.
„Vic“, sagte ich, und sie schaute mich an, als würde sie noch mehr erwarten.
„Vic - und wie weiter ?“
Zuerst wußte ich nicht, was sie meinte, aber dann hatte ich es kapiert. „Vic - nur Vic. Das ist alles.“
„Und wie heißen deine Eltern ?“
Ich begann zu lachen und zerrte meine Jeans nach unten. „O Mann, bist du ein dummes Biest !“ sagte ich und lachte noch lauter. Sie sah gekränkt drein, und das machte mich noch verrückter. „Hör auf, mich so anzustarren, oder ich schlag dir die Zähne ein !“
Sie faltete die Hände im Schoß. Ich hatte die Jeans bis zu den Knöcheln hinuntergestreift, aber sie ließen sich nicht über die Turnschuhe ziehen. Ich mußte auf einem Fuß balancieren, während ich den Turnschuh von dem anderen zerrte. Es war ziemlich schwierig, gleichzeitig den .45er auf das Mädchen zu richten und einen Schuh auszuziehen, aber ich schaffte es.
Ich stand vor ihr, nackt von der Taille abwärts. Er war steif, und sie saß leicht vorgeneigt da, mit gekreuzten Beinen, die Hände immer noch im Schoß. „Zieh das Zeug aus“, sagte ich.
Zuerst rührte sie sich nicht, und ich dachte schon, sie würde mir Ärger machen. Aber dann griff sie nach hinten und öffnete den BH. Es knackte, als sie den Haken aufmachte. Dann lehnte sie sich zurück und zog das Höschen herunter.
Plötzlich sah sie gar nicht mehr verschreckt aus. Sie beobachtete mich aufmerksam, und jetzt stellte ich fest, daß sie blaue Augen hatte. Dann passierte das Allerunheimlichste …
Ich konnte es nicht. Ich meine - nicht richtig. Ich meine - ich wollte es mit ihr treiben, aber sie war so weich und hübsch, und sie sah mich unverwandt an. Und kein Solo wird mir je-mals glauben, aber ich hörte mich tatsächlich mit ihr reden. Ich stand da wie ein Idiot, mit einem Turnschuh und einem Hosenbein um den Fußknöchel. „Und wie heißt du ?“
„Quilla June Holmes.“
„Das ist aber ein merkwürdiger Name.“
„Meine Mutter sagt, daß er früher in Oklahoma weit verbreitet war.“
„Ach - also daher kommt deine Familie.“
Sie nickte. „Meine Eltern haben dort vor dem Dritten Weltkrieg gelebt.“
„Jetzt müssen sie schon sehr alt sein.“
„Ja, aber ich glaube, sie sind okay.“
Wir froren und redeten miteinander. Ich wußte, daß ihr kalt war, weil sie zusammenschauerte. „Nun ja“, sagte ich und traf Anstalten, mich neben sie auf die Matte zu werfen. „Ich glaube, wir sollten lieber …“
Verdammt ! Dieser verdammte Blood ! Ausgerechnet in diesem Moment kam er hereingestürmt, schlitterte durch Splitter und Mörtel, wirbelte Staub auf und rutschte auf seinem Hintern zu uns. „Was ist los ?“ fragte ich.
„Mit wem redest du denn ?“ fragte das Mädchen.
„Mit ihm. Mit Blood.“
„Mit dem Hund ?“
Blood starrte sie an, dann ignorierte er sie. Er begann irgendwas zu sagen, aber das Mädchen unterbrach ihn. „Dann ist es also wahr, was die Leute behaupten. Ihr könnt mit den Tieren sprechen …“
„Möchtest du ihr noch die ganze Nacht zuhören, oder willst du wissen, warum ich gekommen bin ?“
„Okay, warum bist du gekommen ?“
„Du bist in Schwierigkeiten, Albert.“
„Hör mal, vergiß die Mickymaus. Also, was gibt´s ?“
Blood drehte den Kopf zur Vordertür des CVJM. „Eine Bande. Die Burschen haben das Haus umzingelt. Etwa fünfzehn bis zwanzig - vielleicht auch mehr.“
„Woher zum Teufel wissen die, daß wir hier sind?“
Blood ließ bekümmert den Kopf hängen.
„Nun ?“
„Wahrscheinlich war noch ein Hund im Kino, der sie gewittert hat.“
„Großartig !“
„Was sollen wir jetzt tun ?“
„Wir verteidigen uns. Oder hast du bessere Vorschläge ?“
„Nur einen.“
Ich wartete.
Er grinste.
„Zieh die Hosen an.“

4
Das Mädchen, diese Quilla June, war in Sicherheit. Ich hatte ihr eine Bastion aus einem guten Dutzend Ringermatten gebaut. Sie konnte von keinem Querschläger getroffen werden. Und wenn die Jungs das Mädchen nicht suchten, würden sie sie auch nicht finden. Ich kletterte an einem der Taue hoch, die von den Tragbalken hingen. Und dann bezog ich da oben auf dem Balken Stellung, mit dem Browning und ein paar Patronen. Ich wünschte mir sehnlichst, daß ich ein Automatic-Gewehr hätte, eine Bren oder eine Thompson. Ich checkte den .45er, vergewisserte mich, daß er geladen war und daß eine Kugel in der Kammer steckte, und legte die Extrapatronen neben mich auf den Balken. Ich konnte ungehindert auf alle Stellen des Turnsaals zielen.
Blood lag im Schatten, direkt neben der Vordertür. Er hatte mir vorgeschlagen, zuerst auf die Hunde der Bande zu schießen, denn dann könnte er besser operieren. Das war meine allerletzte Sorge.
Ich hatte überlegt, ob ich mich in einem anderen Raum auf die Lauer legen sollte - in einem Raum, der nur eine Tür hatte. Aber ich wußte nicht, ob die Bandenmitglieder bereits im Haus waren, und so tat ich das Beste, was ich unter diesen Umständen tun konnte.
Alles war still. Sogar diese Quilla June. Es hatte mich wertvolle Minuten gekostet, ihr klarzumachen, daß sie sich besser verkriechen und keinen Lärm machen sollte, daß sie mit mir viel besser dran wäre als mit zwanzig von diesen Kerlen. „Wenn du deine Mummy und deinen Daddy wiedersehen willst …“, warnte ich sie. Danach war sie ruhig.
Stille.
Dann hörte ich gleichzeitig zwei Geräusche. In der Schwimmhalle knirschten Stiefel auf Mörtelstücken - ganz leise. Und an einer Seite der Vordertür stieß Metall gegen Holz. Sie wollten es also mit einem Scherz versuchen. Nun, ich war gewappnet.
Wieder war es still. Ich richtete den Browning auf die Tür, die zum Hallenbad führte. Ich hatte sie hinter mir offen gelassen. Wenn der Bursche etwa fünf Fuß zehn groß war, würde ich ihn in die Brust treffen. Ich hatte schon vor langer Zeit gelernt, daß man nicht auf den Kopf zielen durfte, sondern sich auf die größten Körperteile konzentrieren mußte - auf Brust und Bauch.
Plötzlich hörte ich draußen einen Hund bellen, und ein Teil des Dunkels hinter der Vordertür bewegte sich und kam in den Turnsaal. Direkt gegenüber von Blood. Ich ließ den Browning, wo er war.
Der Bursche an der Vordertür entfernte sich von Blood. Dann hob er einen Arm und schleuderte irgend etwas durch den Raum, einen Stein, ein Stück Metall oder sonstwas, um einen Schuß zu provozieren. Der Browning rührte sich noch immer nicht.
Als das Ding auf dem Boden landete, sprangen zwei Kerle aus der Schwimmhallentür, postierten sich zu beiden Seiten des Türrahmens, aber bevor sie das Feuer eröffnen konnten, gab ich den ersten Schuß ab, dann den zweiten. Die beiden gingen zu Boden, mitten in die Herzen getroffen, und rührten sich nicht mehr.
Der Kerl an der Tür wandte sich um und wollte verschwinden, aber da stürzte Blood auf ihn - sprang aus der Dunkelheit, einfach so, warf sich über den Lauf der Waffe, die der Bursche in den Händen hielt, und grub die Fänge in seinen Hals. Der Junge gab schreckliche gurgelnde Laute von sich, dann fiel er auf ein Knie. Ich jagte ihm eine Kugel in den Kopf, und er sank nach vorn.
Nun wurde es wieder still.
Nicht schlecht. Gar nicht schlecht. Sie hatten drei Verluste zu beklagen und kannten unsere Position noch immer nicht. Blood war wieder in der Finsternis neben dem Eingang untergetaucht. Er sagte nichts, aber ich wußte, was er dachte. Vielleicht waren das drei von siebzehn oder von zwanzig oder von zweiundzwanzig. Es war uns unmöglich, das festzustellen. Wir konnten hier eine Woche festsitzen, ohne jemals rauszu-finden, ob wir alle erwischt hatten oder nur ein paar. Sie konnten abhauen und mit Verstärkung wiederkommen, und ich würde keine Kugeln und nichts zu essen haben. Und dieses Mädchen, diese Quilla June, würde weinen und mich ablenken - und sie würden draußen warten, bis wir hungrig genug wurden, um irgendeine Dummheit zu machen, oder bis uns die Munition ausging, und dann würden sie über uns herfallen.
Ein Bursche raste durch die Tür herein, im Spitzentempo, machte einen Satz, fiel auf eine Schulter, rollte um die eigene Achse, sprang auf, um in einer anderen Richtung weiterzulaufen. Dabei feuerte er drei Schüsse in verschiedene Ecken des Saals ab, bevor ich mit dem Browning auf ihn zielen konnte. Mittlerweile war er so dicht unter mir, daß ich keine .22er-Pa-trone verschwenden mußte. Lautlos hob ich den .45er und schoß ihm den Hinterkopf weg. Die Kugel bohrte sich ganz sauber in den Schädel, kam wieder heraus und nahm fast alle Haare mit. Er fiel um.
„Blood ! Das Gewehr !“
Er kam aus dem Schatten, packte die Waffe mit der Schnauze und schleifte sie zu dem Haufen aus Ringermatten, der in der entgegengesetzten Ecke des Saales aufragte. Eine Hand griff nach dem Gewehr und zog es nach innen. Nun, dort war es wenigstens in Sicherheit, bis ich es brauchte. Tapferer kleiner Bastard ! Blood schlurfte zu dem toten Burschen hinüber und begann ihm die Munitionstasche vom Körper zu zerren. Das dauerte eine Weile. Man hätte ihn von der Tür her oder durch eins der Fenster erschießen können, aber er schaffte es. Tapferer kleiner Bastard ! Wenn wir da rauskamen, würde ich nicht vergessen, ihm was Gutes zum Essen zu besorgen. Ich lächelte oben in der Dunkelheit. Wenn wir hier rauskamen, würde ich mir keine Sorgen um sein Festmahl machen müssen. Es lag ja hier auf dem Boden des Turnsaals herum.
Gerade, als Blood die Munitionstasche in die Schatten schleppte, versuchten es zwei Jungs mit ihren Hunden. Sie stiegen durch ein ebenerdiges Fenster herein, einer nach dem anderen, fielen auf den Boden, sprangen auf und rannten in verschiedene Richtungen, während die Hunde - ein furchtbar häßlicher Akita, groß wie ein Haus, und eine scheißgelbe Dobermannhündin durch die Vordertür hereinstürmten und in zwei andere Richtungen stoben. Ich erwischte einen der Hunde, den Akita, mit dem .45er, und er brach zusammen. Der Doberman warf sich auf Blood.
Mit einem Schuß hätte ich meine Position verraten. Einer der Jungs feuerte von der Hüfte aus, und die .30-06 Kugeln mit ihren runden Nasen prallten von den Deckenbalken rings um mich ab. Ich ließ den Automatic fallen und begann von dem Balken zu klettern, während ich nach dem Browning griff. Ich faßte nach dem 45er, und das rettete mich. Ich fiel nach vorn, als ich ihn umklammern wollte, er rutschte mir davon und landete krachend auf dem Boden des Turnsaals. Der Bursche feuerte dorthin, wo ich gerade noch gewesen war. Aber ich lag flach auf dem Balken, ein Arm baumelte herab, und der Krach irritierte ihn. Er feuerte auf die Quelle des Lärms, und im gleichen Moment hörte ich einen weiteren Schuß, aus einer Winchester. Der andere Kerl, der in den schützenden Schatten untergetaucht war, fiel nach vorn, mit einem großen Loch in der Brust. Diese Quilla June hatte ihn erschossen, aus der Deckung ihrer Ringermatten.
Ich hatte nicht einmal Zeit, um rauszukriegen, was zum Teufel hier eigentlich los war. Blood wälzte sich mit dem Dobermann herum, und die beiden gaben grausige Laute von sich. Der Kerl mit der .30-06 gab noch einen Schuß ab und traf die Mündung des Brownings, die über den Tragbalken ragte, und — wumm — weg war er. Hinuntergefallen. Der Hurensohn lauerte in den Schatten und wartete auf mich.
Noch ein Schuß aus der Winchester - der Kerl feuerte direkt in die Matten. Quilla June wich zurück, und ich wußte, daß ich jetzt nicht mehr mit ihr rechnen konnte. Aber ich brauchte sie auch gar nicht. In der Sekunde, da sich der Typ auf sie konzentrierte, packte ich das Klettertau und schwang mich vom Tragbalken. Mit einem wilden Geheul wie ein Bombengrubenkreischer rutschte ich hinunter und spürte, wie der Hanf meine Handflächen aufschürfte. Ich glitt so tief hinab, daß ich schaukeln konnte. Ich baumelte hin und her, schwang meinen Körper in drei verschiedene Richtungen, immer wieder. Der Hurensohn feuerte und versuchte meine Flugbahn zu berechnen, aber ich sauste immer wieder aus seiner Schußlinie. Dann war seine Kanone leer, und ich schwang mich nach hinten, so weit ich konnte, um in seine dunkle Ecke zu rasen. Und da war er. Ich prallte direkt gegen ihn und von der Wand zurück, stürzte mich auf ihn, bohrte ihm die Daumen in die Augenhöhlen. Er brüllte, und die Hunde brüllten, und dieses Mädchen brüllte, und ich schlug den Kopf dieses Bastards immer wieder gegen den Boden, bis er sich nicht mehr rührte. Nun packte ich die leere .30-06 und drosch damit immer wieder auf seinen Schädel, bis ich wußte, daß er mich nie mehr ärgern würde.
Dann griff ich nach dem .45er und erschoß den Dobermann. Blood stand auf und schüttelte sich. Er war übel zugerichtet. „Danke“, murmelte er, taumelte ins Dunkel und legte sich hin, um seine Wunden zu lecken.
Ich ging zu dieser Quilla June. Sie weinte wegen all der Kerle, die wir getötet hatten. Vor allem wegen des Burschen, den sie getötet hatte. Sie heulte laut, und es gelang mir nicht, sie zum Schweigen zu bringen. Also gab ich ihr eine Ohrfeige und sagte ihr, daß sie mir das Leben gerettet hatte. Das half ein bißchen.
Blood schleppte seinen Arsch mühsam zu uns herüber. „Wie wollen wir da rauskommen, Albert ?“
„Laß mich mal nachdenken.“
Ich dachte nach und wußte, daß es hoffnungslos war. Egal, wie viele wir erwischt hatten, es würden noch viel mehr draußen sein. Und jetzt ging es noch dazu um ihre Ehre.
„Wie wär´s mit einem Feuer ?“ schlug Blood vor.
„Du meinst, daß wir verduften können, während es brennt ?“ Ich schüttelte den Kopf. „Das hat keinen Sinn. Sie werden das Haus umzingelt haben.“
„Und wenn wir gar nicht rausgehen ? Wenn wir hier verbrennen ?“
Ich sah ihn an. Er war tapfer und verteufelt schlau.

5
Wir sammelten die Holzsplitter und Matten und Leitern und Sprungkästen und Bänke und alles andere ein, was brennen würde, und stapelten das Zeug an einer Sprossenwand aufeinander. Quilla June fand in einem Lagerraum eine volle Kero-sinkanne, und wir steckten den ganzen verdammten Haufen in Brand. Dann folgten wir Blood in den Raum, den er für uns ausfindig gemacht hatte, in den Heizkeller unter dem CVJM. Wir stiegen in einen leeren Boiler, zogen den Deckel herunter und ließen eine Auspuffklappe offen, damit wir Luft bekamen. Wir hatten eine Matte mitgenommen und soviel Munition, wie wir nur tragen konnten, außerdem die Gewehre und Revolver, die wir erbeutet hatten.
„Witterst du was ?“ fragte ich Blood.
„Ein bißchen. Nicht viel. Einen Burschen habe ich in der Nase. Das Haus brennt wie Zunder.“
„Wirst du es feststellen können, wenn sie verschwinden ?“
„Vielleicht - wenn sie verschwinden.“
Quilla June zitterte am ganzen Körper. „Nimm´s nicht zu schwer, Mädchen“, sagte ich. „Bis morgen früh ist der Schuppen abgebrannt, und dann werden sie sich durch den Schutt wühlen und viele Tote finden. Vielleicht werden sie gar nicht so genau nach einer weiblichen Leiche suchen. Dann wird alles okay sein - wenn wir hier drin nicht ersticken.“
Sie lächelte sehr dünn und versuchte tapfer dreinzuschauen. Sie war schon in Ordnung, die Puppe. Sie schloß die Augen, legte sich auf die Matte und versuchte zu schlafen. Ich war völlig fertig, und deshalb schloß ich ebenfalls die Augen.
„Kommst du allein zurecht ?“ fragte ich Blood.
„Ich denke schon. Du solltest jetzt lieber schlafen.“
Ich nickte, immer noch mit geschlossenen Augen, und fiel auf die Seite. Ich war weg, bevor ich überhaupt ans Einschlafen denken konnte.
Als ich aufwachte, lag das Mädchen, diese Quilla June, zusammengekuschelt in meiner Achselhöhle, hatte einen Arm um meine Taille gelegt und schlief wie eine Tote. Ich konnte kaum atmen. Es war wie in einem Schmelzofen. Zum Teufel, es war ein Schmelzofen. Ich streckte eine Hand aus, und die Wand des Boilers war so heiß, daß ich sie nicht anfassen konnte. Blood lag neben uns auf der Matte. Nur diese Matte hatte verhindert, daß wir versengt wurden. Er schlief, den Kopf zwischen den Pfoten vergraben. Und Quilla June schlief, immer noch nackt.
Ich legte eine Hand auf eine ihrer Titten. Sie war warm. Quilla June bewegte sich und schmiegte sich noch enger an mich. Ich bekam einen Steifen, zog die Hose aus und wälzte mich auf sie. Sie erwachte, als sie spürte, daß ich ihre Beine auseinanderzog, aber da war es schon zu spät. „Nicht - hör auf - was tust du denn - nein - nicht …“
Aber sie war noch im Halbschlaf, und ich glaubte nicht, daß sie mich ernsthaft abwehren wollte. Natürlich schrie sie, als ich in sie eindrang, und die Ringermatte war voller Blut. Und Blood schlief immer noch.
Es war wirklich anders als sonst. Normalerweise, wenn Blood eine Puppe für mich aufgestöbert hatte, packte ich sie, trieb es mir ihr und sah zu, daß ich möglichst schnell fertig wurde, bevor irgendwas Schlimmes passierte. Aber diese Quilla June machte mit, bäumte sich auf, umarmte mich und preßte mich so fest an sich, daß ich dachte, sie würde mir die Rippen brechen. Und dann ließ sie sich langsam nach unten sinken, so langsam wie ich meine Beine, wenn ich in meinem provisorischen Turnsaal in der Schrottautohalle die Kerze gemacht habe. Sie hatte die Augen geschlossen, ihr Gesicht war entspannt - und glücklich. Das konnte ich ganz genau sehen.
Wir machten es sehr oft, und nach einer Weile fing sie von sich aus damit an, und ich sagte nicht nein. Danach lagen wir nebeneinander und redeten. Sie fragte mich, wie das denn mit Blood wäre, und ich erzählte ihr von den telepathischen Kampfhunden, die ihre angeborene Fähigkeit verloren hätten, allein auf Nahrungssuche zu gehen. Deshalb mußten die Solos und die Räuberbanden die Hunde ernähren. Ich sagte ihr auch, daß Hunde wie Blood sich sehr gut dazu eigneten, für Solos wie mich Hasen aufzuspüren. Darauf erwiderte sie nichts. Ich fragte sie, wie es denn in den Unterregionen wäre.
„Ganz hübsch. Aber dort ist es immer so still. Alle sind höflich zueinander. Ich wohne in einer ganz kleinen Stadt.“
„Ich welcher ?“
„In Topeka. Das ist ganz in der Nähe.“
„Ja, ich weiß. Der Zugangsfallschacht ist nur eine Meile von hier entfernt. Ich habe mich dort mal umgesehen.“
„Warst du schon mal in einer Unterregion ?“
„Nein, aber das will ich auch gar nicht.“
„Warum nicht ? Es ist sehr hübsch dort. Es würde dir gefallen.“
„Scheiße.“
„Das ist aber sehr ordinär.“
„Ich bin sehr ordinär.“
„Nicht immer.“
Allmählich wurde ich verrückt. „Hör mal, du Arsch, was ist eigentlich los mit dir ? Ich habe dich gepackt und rumgestoßen. Ich habe dich ein halbes dutzendmal vergewaltigt. Was ist denn dann so nett an mir, he ? Bist du so blöd, daß du es nicht einmal merkst, wenn irgend jemand sein Ding in dir …“
Sie lächelte mich an. „Es hat mir nichts ausgemacht. Ich habe es gern getan. Wollen wir´s noch einmal tun ?“
Ich war ehrlich schockiert und wandte mich von ihr ab. „Was zum Teufel stimmt denn nicht mir dir ? Weißt du nicht, daß die Puppen aus den Unterregionen von den Solos ganz übel zugerichtet werden können ? Weiß du nicht, daß die Puppen von ihren Eltern da unten gewarnt werden ? ,Geht nicht da hinauf, sonst werdet ihr von den schmutzigen, vergammelten, langhaarigen Solos überfallen !´ Weißt du das denn nicht ?“
Sie legte eine Hand auf mein Bein, ließ sie langsam nach oben gleiten, ihre Fingerspitzen streiften die Haut meines Schenkels nur ganz leicht. Ich bekam wieder einen Steifen. „Meine Eltern haben mir nichts von den Solos erzählt“, sagte sie, dann zog sie mich an sich und küßte mich, und ich konnte nicht anders - ich mußte wieder in sie eindringen.
O Gott, und so ging es stundenlang weiter. Nach einer Weile drehte sich Blood herum und sagte: „Ich habe keine Lust mehr, mich schlafend zu stellen. Ich bin hungrig, und mir tut alles weh.“
Ich warf sie ab - diesmal hatte sie auf mir gelegen - und untersuchte ihn. Der Dobermann hatte ein Stück von seinem rechten Ohr abgebissen, seine Schnauze hatte einen Riß, und an einer Flanke war das Fell blutverklebt. Er sah wirklich schlimm aus. „Jesus, Mann, du siehst aber schlimm aus“, sagte ich.
„Du bist auch kein schöner Anblick, Albert“, bellte er, und ich zog meine Hand zurück.
„Können wir hier irgendwie raus ?“ fragte ich ihn.
Er schnüffelte in alle Richtungen, dann schüttelte er den Kopf. „Ich kann nichts wittern. Auf diesem Boiler muß ein ganzer Schuttberg liegen. Ich muß mal hinausgehen und die Lage sondieren.“
Wir überlegten eine Weile hin und her und kamen schließlich zu der Überzeugung, daß sich die Bande, falls das Gebäude niedergebrannt war und sich abgekühlt hatte, inzwischen längst durch die Asche gewühlt hätte. Die Tatsache, daß die Kerle den Boiler bisher nicht erreicht hatten, bewies uns, daß wir ziemlich tief vergraben waren. Oder das Gebäude glühte noch. In beiden Fällen würden sie immer noch draußen sein und nicht verschwinden, bis sie die gesamte Asche und alle Trümmer durchsucht hatten.
„Glaubst du, daß du es schaffst - wo du doch in einem so miserablen Zustand bist ?“
„Ich muß es ja wohl schaffen - oder nicht ?“ entgegnete Blood. Er war wirklich sauer. „Ich meine, nachdem du dir die Seele aus dem Leib gebumst hast, bist du wohl ziemlich schlapp, was ?“
Ich hatte das Gefühl, daß ich ernsthaft Ärger mit ihm kriegen würde. Er mochte Quilla June nicht. Ich kroch um ihn herum und öffnete den Verschluß des Boilerdeckels. Aber der Deckel ließ sich nicht hochheben. Ich stemmte meinen Rücken gegen eine Seitenwand, hob die Beine und drückte sie langsam und kräftig gegen den Deckel. Was immer darauf gefallen war, leistete etwa eine Minute lang Widerstand, dann fiel es krachend herunter.
Ich stieß den Deckel auf und sah hinaus. Die oberen Stockwerke waren in den Keller heruntergestürzt, aber da waren sie nur noch Asche und leichtgewichtiger Schutt gewesen. Da draußen rauchte alles, und durch die grauen Schwaden konnte ich das Tageslicht sehen.
Ich kletterte hinaus, verbrannte mir die Hände am Rand der Luke. Blood folgte mir und suchte sich schnüffelnd eine Fährte zwischen den Trümmern. Ich sah, daß der Boiler fast völlig von dem Mist verdeckt war, der runtergefallen war. Die Chancen, daß die Bande einen letzten Blick in den Keller geworfen, entschieden hatte, daß wir verkohlt waren, und dann verschwunden war, standen ziemlich gut. Aber ich wollte trotzdem, daß Blood das alles ein bißchen genauer auskundschaftete. Er trabte davon, aber ich rief ihn zurück.
„Was ist los ?“ fragte er.
Ich sah auf ihn runter. „Das werde ich dir sagen. Du benimmst dich beschissen.“
„Du kannst ja eine Klage gegen mich einreichen.“
„Verdammt, Hund, was ist dir eigentlich in den Arsch gefahren ?“
„Sie - diese Puppe, die du da drin hast.“
„Wieso denn ? Ich hatte vorher auch schon Hasen.“
„Ja, aber noch nie einen, der so lang an dir kleben blieb. Ich warne dich, Albert, sie wird Ärger machen.“
„Sei nicht so blöd !“
Er gab keine Antwort, sah mich nur wütend an, dann trottete er davon, um sich ein bißchen umzuschauen. Ich kroch in den Boiler zurück und schloß den Deckel. Sie wollte es wieder machen, aber ich sagte, daß ich keine Lust hätte. Blood hatte mich ganz schön fertiggemacht. Ich saß in der Klemme. Und ich wußte nicht, wen von den beiden ich loswerden wollte.
Aber bei Gott, sie war hübsch.
Sie schmollte und legte sich zurück, verschränkte die Arme vor der Brust. „Erzähl mir noch was von deiner Unterregion“, schlug ich vor.
Zuerst war sie mürrisch und sagte nicht viel, aber nach einer Weile kam sie in Fahrt und redete wie ein Wasserfall. Ich erfuhr eine ganze Menge, lauter Dinge, die ich vielleicht eines Tages brauchen würde.
Es gab nur zweihundert Unterregionen in dem Gebiet, das von den Vereinigten Staaten und Kanada übriggeblieben war. Sie lagen an den Enden von Brunnen und Minen oder anderen tiefen Löchern. Manche, draußen im Westen, befanden sich in natürlichen unterirdischen Höhlen, vielleicht vier oder fünf Meilen tief unten, und sahen aus wie umgestülpte Caissons. Die Leute, die sich dort angesiedelt hatten, waren von der schlimmsten Sorte. Südstaatenbaptisten, Fundamentalisten, Schwachköpfe mit einem verrückten Faible für Gesetz und Ordnung, richtige Mittelklasse-Idioten ohne den geringsten Sinn fürs wilde Leben. Sie waren zu dem Lebensstil zurückgekehrt, der hundertfünfzig Jahre lang nicht existiert hatte. Sie hatten die letzten Wissenschaftler veranlaßt, das Wie und Warum zu erfinden, dann hatten sie die Burschen davongejagt. Sie wollten keinen Fortschritt, sie wollten keine Meinungsverschiedenheiten, sie wollten überhaupt nichts, was irgendwelche Wellen schlagen könnte. Davon hatten sie genug gehabt. Die beste Zeit hatte die Menschheit vor dem Ersten Weltkrieg erlebt, und sie bildeten sich ein, wenn sie diese Zeit wieder heraufbeschworen und es dabei beließen, könnten sie in Ruhe und Frieden vor sich hinleben. Scheiße ! In so einer Unterregion würde ich wahnsinnig werden.
Quilla June lächelte und schmiegte sich wieder an mich, und diesmal hatte ich nichts dagegen. Sie faßte mich überall an, da unten und sonstwo, dann sagte sie: „Vic ?“
„Hm.“
„Warst du schon einmal verliebt ?“
„Was ?“
„Ob du schon mal ein Mädchen geliebt hast.“
„Nun, ich weiß verdammt gut, daß mir das noch nie passiert ist.“
„Weißt du, was Liebe ist ?“
„Klar. Ich denke schon.“
„Aber wenn du noch nie geliebt hast …“
„Sei nicht so dumm ! Ich hatte noch nie eine Kugel im Kopf, und ich weiß trotzdem, daß mir das nicht gefallen würde.“
„Ich wette, du weißt nicht, was Liebe ist.“
„Nun, wenn es bedeutet, daß ich in einer Unterregion leben müßte, will ich es auch gar nicht wissen.“
Wir verfolgten dieses Thema nicht weiter, denn sie zog mich zu sich runter und wir machten es wieder. Als es vorbei war, hörte ich Blood am Boiler scharren. Ich öffnete den Deckel, und er stand draußen. „Alles klar“, sagte er.
„Bist du sicher ?“
„Natürlich. Zieh die Hosen an“, sagte er mit einem höhnischen Unterton, „und komm raus ! Wir haben was zu besprechen.“
Ich sah ihn an und merkte, daß jetzt nicht mit ihm zu spaßen war. Also schlüpfte ich in die Jeans und die Turnschuhe und kletterte aus dem Boiler. Er trottete vor mir her, weg von unserem Versteck, über ein paar rußgeschwärzte Balken aus dem Turnsaal. Der war völlig eingestürzt und sah aus wie ein riesiger fauler Zahnstumpen. „Nun, was hast du denn auf dem Herzen ?“ fragte ich.
Er stieg auf einen Betonklumpen, so daß er auf gleicher Höhe mit mir war. „Du bist mir zu blöd, Vic.“
Da war mir endgültig klar, daß er es ernst meinte. Keine Albert-Scheiße mehr - nur schlicht und einfach Vic. „Wie das ?“
„Gestern nacht, Mann ! Wir hätten abhauen und die Puppe den Kerlen überlassen können. Das wäre klüger gewesen.“
„Ich wollte sie haben.“
„Ja, ich weiß. Deshalb will ich ja mit dir drüber reden. Gestern war gestern, und heute ist heute. Du hast sie mindestens fünfzigmal gehabt. Warum hängen wir jetzt noch immer hier rum ?“
„Ich will sie noch öfter haben.“
Jetzt wurde er wütend. „Jetzt hör mir mal zu, mein Junge. Ich will auch dies oder jenes. Ich will was zu fressen, und ich will die Schmerzen in der Flanke loswerden, und ich will weg von diesem Aschenhaufen. Vielleicht geben sie es doch nicht so schnell auf.“
„Nimm´s doch nicht so schwer. Wir schaffen das schon. Außerdem kann sie ja mit uns kommen.“
„Aha ! Dann sind wir also von jetzt an zu dritt, was ?“
Allmählich wurde ich auch wütend. „Du tust ja so, als ob ich ein Trottel wäre.“
„Jedenfalls redest du wie ein Boxer.“
Ich hob die Hand, um ihm eine runterzuhauen. Er rührte sich nicht. Da ließ ich die Hand wieder sinken. Ich hatte Blood noch nie geschlagen, und ich wollte auch jetzt nicht damit anfangen.
„Tut mir leid“, sagte er sanft.
„Schon gut.“
Aber wir sahen uns nicht an.
„Vic, Mann, du weißt, daß du für mich verantwortlich bist.“
„Das brauchst du mir nicht erst zu sagen.“
„Anscheinend doch. Vielleicht muß ich dich an einiges erinnern. Zum Beispiel an den Augenblick, als dieser Bomben-grubenkreischer auf die Straße kam und dich überfallen wollte.“
Ich erschauerte. Dieser Bastard war ganz grün gewesen - giftgrün, und er hatte wie ein Phosphorpilz geglüht. Wenn ich nur daran dachte, drehte sich mein Magen um.
„Ich habe ihn doch gleich geschnappt, oder ?“ fuhr Blood fort.
Ich nickte.
Okay, Hund, okay …
„Ich hätte mich ganz schlimm verbrennen und sterben können, und dann war´s vorbei gewesen, nicht wahr ?“
Ich nickte wieder und fühlte mich verdammt mies. Ich mochte es nicht, wenn man Schuldgefühle in mir weckte. Zwischen Blood und mir stand es fifty-fifty, und das wußte er. „Aber ich habe es getan, nicht wahr ?“ Ich erinnerte mich, wie dieses grüne Ding gebrüllt hatte. Jesus, es hatte ausgesehen wie ein Schleimklumpen mit Wimpern.
„Okay, okay !“ schrie ich. „Hör endlich auf, oder wir vergessen unser ganzes verdammtes Arrangement !“
Da explodierte Blood. „Vielleicht sollten wir das wirklich, du mieser, kleiner Simpel !“
„Was ist denn das, ein Simpel, du Scheißkerl ? Ist das was Schlimmes ? Aber das muß es ja wohl sein. Halt dein verfluch-tes Maul im Zaum, du Hurensohn, sonst trete ich dich in den Arsch !“
Danach saßen wir da und sagten fünfzehn Minuten lang kein Wort. Keiner von uns wußte, welchen Weg er einschlagen sollte.
Schließlich gab ich klein bei. Ich redete ganz leise und ganz langsam. Ich sagte ihm, ich würde ihm seinen Willen lassen, so wie ich es immer getan hätte, und er drohte mir und behauptete, da täte ich auch verdammt gut daran, weil ein paar ganz tolle Solos in der Stadt rumliefen, und die wären entzückt, wenn sie einen so scharfen Riecher wie ihn bekämen. Ich sagte ihm, daß ich mir nicht gern solche Drohungen anhörte, und er sollte lieber aufpassen, wohin er mit seinen verteufelten Pfoten trat, sonst würde ich ihm ein Bein brechen. Da wurde er wieder zornig und trottete davon. „Rutsch mir doch den Buckel runter“, sagte ich und kehrte in den Boiler zurück, um mein Temperament wieder mal an dieser Quilla June auszulassen.
Aber als ich meinen Kopf in den Boiler steckte, erwartete sie mich mit einem von den Revolvern, die wir von der Bande erbeutet hatten. Sie versetzte mir einen guten, kräftigen Schlag aufs rechte Auge, und ich fiel über die Luke und war weg.

6
„Ich habe dir ja gesagt, daß sie nichts taugt.“ Er sah mir zu, wie ich die Schnittwunde mit einem Desinfektionsmittel aus meinem Apothekenkästchen behandelte und auf die Rißwunde Jod strich. Als ich zusammenzuckte, grinste er.
Ich packte das Zeug weg, wühlte im Boiler herum, sammelte alle Munition ein, die ich schleppen konnte, und warf den Browning zugunsten der .30-06 weg. Dann fand ich etwas, das ihr aus den Kleidern gefallen sein mußte. Es war eine kleine Metallplatte, etwa dreieinhalb Zoll lang und eineinhalb Zoll breit, mit Löchern drin, die wie zufällig verteilt waren. „Was ist denn das ?“ fragte ich Blood.
Er starrte auf das Ding und schnüffelte daran. „Muß irgendeine Identitätskarte sein. Vielleicht braucht man so was, um aus den Unterregionen rauszukommen.“
Da stand mein Entschluß fest. Ich steckte das Ding in die Tasche, kletterte aus dem Boiler und steuerte auf den Zugangsschacht zu.
„Wohin gehst du denn, zum Teufel ?“ schrie Blood mir nach. „Komm zurück ! Sie werden dich umbringen !“
„Ich bin hungrig, verdammt !“
„Albert, du Hurensohn ! Komm sofort zurück !“
Ich lief weiter. Ich würde diese Bestie finden und es ihr heimzahlen. Und wenn ich in eine Unterregion gehen mußte, um sie zu finden. Es dauerte eine Stunde, bis ich den Zugangsschacht erreicht hatte, der nach Topeka hinunterführte. Ich dachte, daß Blood mir folgte, aber auf einen größeren Abstand Wert legte. Es war mir verdammt egal. Ich war stinksauer.
Da war der Schacht, ein hoher, gerader Pfeil aus glänzendem schwarzem Metall. Er maß etwa zwanzig Fuß im Durchmesser, war an der Spitze abgeflacht und verschwand geradewegs im Boden. Ich ging darauf zu und suchte in meiner Tasche nach dieser Metallkarte … Da zupfte etwas an meinem rechten Hosenbein.
„Hör mal, du Trottel, du kannst da nicht runtergehen.“
Ich stieß ihn weg, aber er kam zurück. „Hör auf mich !“
Ich wandte mich um und starrte ihn an. Blood setzte sich, rings um ihn wirbelte Staub auf. „Albert …“
„Ich heiße Vic, du kleiner Eierlutscher.“
„Okay, okay, Vic.“ Seine Stimme wurde ganz weich. „Komm mit mir, Mann.“ Er versuchte zu meinem Innenleben vorzudringen. Ich war echt wütend, aber er versuchte, mir Vernunft beizubringen, und meinte es gut. Also zuckte ich mit den Schultern und setzte mich neben ihn. „Hör mal, Mann“, fuhr Blood fort. „Diese Puppe hat dich um den Verstand gebracht. Du weißt doch, daß du da nicht runtergehen kannst. Da drunten ist alles geregelt, alles hat seine Ordnung, jeder kennt jeden. Sie hassen Solos. Da unten haben schon genug Räuberbanden gehaust und die Frauen vergewaltigt und ihr Essen gestohlen - sie werden die entsprechenden Vorkehrungen getroffen haben. Sie werden dich töten, Mann !“
„Und was geht dich das an, zum Teufel ? Du hast doch immer gesagt, daß du ohne mich besser dran wärst.“
Da ließ er den Kopf hängen. „Vic, wir sind jetzt fast drei Jahre beisammen. Wir haben gute und böse Tage erlebt. Aber dieser könnte der schlimmste werden. Ich habe Angst, Mann - Angst, daß du nicht zurückkommen könntest. Ich bin hungrig und müßte mir irgendeinen Idioten suchen, der mich aufnimmt. Du weißt doch, daß sich mittlerweile die meisten Solos zu Banden zusammengeschlossen haben. Ich wäre der letzte Dreck. Ich bin nicht mehr jung. Und ich bin verletzt.“
Ich konnte ihm das alles nachfühlen. Er hatte recht. Wenn ich die Solo-Szene verlassen und mich einer Bande anschließen würde, wäre ich auch der letzte Dreck - ein fader Arsch für alle scharfen Jockeys, die sich in der Gang herumtrieben. Aber in diesem Augenblick konnte ich nur daran denken, wie Quilla June, dieses Biest, mich reingelegt hatte. Und dann glaubte ich wieder ihre weichen Titten zu sehen und die leisen Laute zu hören, die sie von sich gab, wenn ich in ihr drin war, und ich schüttelte den Kopf und wußte, daß ich diese Rechnung mit ihr zu begleichen hatte. „Ich muß es tun, Blood. Ich muß.“
Er holte tief Atem und sank noch mehr in sich zusammen. Er wußte, daß es sinnlos war. „Du verstehst ja nicht einmal, was sie dir angetan hat, Vic.“
Ich stand auf. „Ich werde versuchen, ganz schnell zurückzukommen. Wirst du auf mich warten ?“
Er schwieg eine lange Weile, und ich wartete. Schließlich sagte er: „Ich werde ein bißchen warten. Vielleicht werde ich hier sein, wenn du wiederkommst - vielleicht auch nicht.“
Ich verstand ihn. Ich wandte mich ab und ging um die Säule aus schwarzem Metall herum. Als ich einen Schlitz darin gefunden hatte, steckte ich die Metallkarte hinein. Ein leises Summen ertönte, und ein Sektor der Säule glitt beiseite. Ich hatte nicht einmal die Umrisse dieses Sektors gesehen. Ein Kreis öffnete sich, und ich stellte einen Fuß hinein. Dann drehte ich mich zu Blood um, der hinter mir stand und mir zusah. Wir blickten uns an, und der Pfeiler summte die ganze Zeit.
„Bis bald, Vic.“
„Paß gut auf dich auf, Blood.“
„Komm schnell wieder zurück.“
„Ich werde mein Bestes tun.“
„Okay.“
Dann wandte ich mich ab und trat hinein. Hinter mir schloß sich die Irisblendenpforte.

7
Ich hätte es wissen müssen. Ich hätte es ahnen müssen. Klar, es passierte immer mal wieder, daß eine Puppe heraufkam, um zu sehen, wie es auf der Oberfläche zuging und was aus den Städten geworden war. Natürlich kam das immer mal wieder vor. Ich hatte ihr geglaubt, als sie mir in diesem dampfenden Boiler, eng an mich geschmiegt, erzählt hatte, sie hätte herausfinden wollen, wie es wirklich war, wenn es ein Mädchen mit einem Mann trieb. Die Filme, die sie in Topeka gesehen hätte, wären honigsüß und anständig und langweilig gewesen, und die Mädchen in ihrer Schule hätten von den Pornos geredet, und eine ihrer Freundinnen hätte ein Acht-Seiten-Comic-Heft gehabt, und das hätte sie mit großen Augen gelesen … Klar, ich hatte ihr geglaubt. Aber es war logisch. Ich hätte Verdacht schöpfen müssen, als sie diese metallische Identitätskarte zurückgelassen hatte. Es war zu simpel. Blood hatte ja versucht, mir das klarzumachen. Ob ich blöd bin ? Und wie !
Die zweite dieser Irisblendenpforten schloß sich hinter mir, und das Summen wurde lauter, und ein kühles Licht wuchs an den Wänden. Nein, an der Wand. Es war ein kreisrunder Raum, und die Wand hatte nur zwei Seiten - eine Außen-und eine Innenseite. Das Licht pulsierte darin, und das Summen wurde noch lauter. Und dann wich der Boden, auf dem ich stand, genauso zur Seite wie vorhin der Sektor des Pfeilers. Ich stand da wie eine Maus in einem Karton, und so lange ich nicht hinuntersah, würde ich ganz gelassen bleiben und auch nicht fallen.
Plötzlich glitt ich durch den Boden, und die Irisblenden schlossen sich über mir. Ich fiel durch eine Röhre, immer schneller, aber nicht zu schnell. Ich fiel ganz einfach nur zügig nach unten. Nun wußte ich, was ein Fallschacht war.
Ich fiel und fiel, und hin und wieder sah ich Schilder, auf denen Ebene 19 stand oder Antipol 55 oder Brütereinheit oder Pumpstation Sektor 6, und manchmal konnte ich ganz schwach die Umrisse von Irisblenden erkennen - aber ich hörte nie zu fallen auf.
Schließlich fiel ich bis zum Boden, und da war ein Schild an der Wand - Topeka City - Bevölkerungslimit 22 860. Ich landete ganz sanft auf dem Boden, ging ein wenig in die Knie, um den Aufprall zu mildern, doch das wäre gar nicht nötig gewesen.
Wieder benutzte ich die Metallkarte, und die Irisblenden, diesmal viel größere, schwirrten auseinander, und ich sah zum erstenmal eine Unterregion.
Sie erstreckte sich zwanzig Meilen weit, bis zu einem dumpf schimmernden Horizont aus Konservendosenmetall. Die Wand hinter mir bog und bog und bog sich, bis sie einen Kreis bildete, und schwang dann wieder herum und herum und herum, bis zu der Stelle, wo ich stand und sie anstarrte. Ich befand mich auf dem Boden einer großen Metallröhre, die bis zu einer Decke hinaufreichte, acht Meilen über mir, und zwanzig Meilen im Durchmesser maß. Auf dem Boden dieser Konservendose hatte man eine Stadt gebaut, die genauso aussah wie die Fotos in den feuchten Büchern, die in der Bibliothek auf der Oberfläche dahinmoderten. Solche Städte hatte ich in den Büchern gesehen. Genau solche. Hübsche kleine Häuser und kurvenreiche Straßen und gemähte Rasenflächen und einen Geschäftssektor - und alles, was eine Stadt namens Topeka haben mußte.
Außer der Sonne, außer den Vögeln, außer den Wolken, außer dem Regen, außer der Kälte, außer dem Wind, außer den Ameisen, außer dem Schmutz, außer den Bergen, außer den Meeren, außer großen Getreidefeldern, außer den Sternen, außer dem Mond, außer den Wäldern, außer den wilden Tieren, außer …
Außer der Freiheit.
Sie waren hier unten in einer Konservenbüchse eingeschlossen, wie tote Fische.
Ich spürte, wie meine Kehle eng wurde. Ich wollte hier raus. Raus ! Ich begann zu zittern, meine Hände waren kalt. Schweiß brach mir aus auf der Stirn. Es war verrückt gewesen, hier herunterzukommen. Ich mußte raus. Raus !
Ich wandte mich um und wollte in den Fallschacht zurückkehren, und da packte es mich. Quilla June, diese Bestie … Ich hätte es mir denken können. Das Ding war niedrig und grün und kastenartig und hatte Kabel mit Fäustlingen an den Enden statt der Arme, und es rollte auf Rädern und packte mich. Es setzte mich auf sein flaches Dach und hielt mich mit den Fäustlingen fest. Ich konnte mich kaum rühren, aber ich versuchte nach dem großen Glasauge in der Vorderfront des Dings zu treten. Das nutzte mir nichts. Ich konnte es nicht zerbrechen. Das Ding war nur vier Fuß hoch, und meine Turnschuhe erreichten fast den Boden, aber nicht ganz, und dann fuhr es davon, in Richtung Topeka, und nahm mich mit.
Überall waren Leute, saßen in Schaukelstühlen auf ihren Veranden, rechten ihre Rasenflächen, warteten an der Tankstelle, steckten Münzen in Kaugummimaschinen, malten einen weißen Streifen in der Straßenmitte, verkauften Zeitungen an den Ecken, lauschten einer Rumtata-Kapelle, die in einem Park spielte, spielten Tempelhüpfen und Verstecken, polierten ein Feuerwehrauto, saßen auf Bänken und lasen, putzten Fenster, stutzten Hecken, zogen vor den Damen die Hüte, sammelten Milchflaschen in Drahtkörben, striegelten Pferde, warfen Stöcke, die von Hunden apportiert wurden, sprangen ins Gemeindeschwimmbecken, schrieben mit Kreide Gemüsepreise auf Tafeln vor den Lebensmittelläden, gingen Hand in Hand mit den Mädchen spazieren - und alle sahen mich, als ich auf diesem metallischen Bastard vorbeifuhr.
Ich konnte Bloods Stimme hören, und sie sagte, was sie gesagt hatte, bevor ich in den Fallschacht gestiegen war: Da drunten ist alles geregelt, alles hat seine Ordnung, jeder kennt jeden. Sie hassen Solos. Da unten haben schon genug Räuberbanden gehaust und Frauen vergewaltigt und ihr Essen gestohlen - sie werden die entsprechenden Vorkehrungen getroffen haben. Sie werden dich töten, Mann !
Danke, mein Hund.
Und lebwohl.

8
Der grüne Kasten fuhr durch den Geschäftssektor und bog zu einer Fassade mit der Aufschrift Büro für bessere Geschäfte am Fenster. Er rollte durch die offene Tür hinein, und drinnen wurde ich von einem halben Dutzend Männern und alten Männern und sehr alten Männern, auch von ein paar Frauen erwartet. Der grüne Kasten blieb stehen.
Einer von den Männern kam rüber und nahm mir die Metallplatte aus der Hand. Er sah sie an, dann drehte er sie um und gab sie dem ältesten der alten Männer, einem verwelkten Knochen mit ausgebeulten Hosen, einem grünen Augenschirm und Strumpfbändern, die seine gestreiften Hemdsärmel hochhielten. „Quilla June, Lew“, sagte der Bursche zu dem alten Mann. Lew nahm die Metallplatte und legte sie in die oberste Schublade eines Zylinderschreibtisches.
„Nimm ihm lieber die Waffen ab, Aaron“, sagte der alte Esel. Und der Kerl, der mir die Karte weggenommen hatte, räumte mich ab. „Laß ihn los, Aaron“, befahl Lew.
Aaron trat hinter den grünen Kasten, irgend etwas klickte, und die Kabelfäustlinge wurden in die Box zurückgesogen, und ich stieg von dem Ding runter. Meine Arme waren ganz gefühllos an den Stellen, wo die Fäustlinge sie festgehalten hatten, und ich rieb erst den einen, dann den anderen und starrte sie alle an.
„Nun, mein Junge …“, begann Lew.
„Halt die Klappe, du Arschloch !“
Die Frauen erbleichten, die Männer verkrampften sich.
Dann meldete sich einer von den anderen Greisen zu Wort. „Ich habe dir ja gesagt, daß es nicht klappen würde, Lew.“
„Eine schlimme Sache“, meinte ein jüngerer.
Lew beugte sich in seinem geradlehnigen Stuhl vor und zeigte mit einem zerknitterten Finger auf mich. „Junge, du solltest lieber höflich sein.“
„Ich hoffe, daß alle eure verdammten Kinder Hasenscharten kriegen !“
„Es hat keinen Sinn, Lew“, sagte ein anderer Mann.
„Ein Straßenjunge !“ stieß eine Frau mit Hakennase hervor.
Lew starrte mich an. Sein Mund war ein häßlicher, kurzer schwarzer Strich. Ich wußte, daß der Hurensohn nicht einen einzigen Zahn in seinem lausigen Kopf hatte, der nicht verfault war und wie die Pest stank. Er starrte mich mit seinen bösen kleinen Augen an - Gott, war er häßlich, wie ein Vo-gel, der mir das Fleisch von den Knochen picken wollte. Und mir war klar, daß er was vorhatte, was mir nicht gefallen würde. „Aaron, vielleicht solltest du ihn wieder dem Wachtposten übergeben.“ Aaron ging zu dem grünen Kasten.
„Okay, schon gut“, sagte ich und hob eine Hand.
Aaron blieb stehen, sah Lew an, und dieser nickte. Dann beugte sich Lew wieder vor und zeigte mit dieser Vogelklaue auf mich. „Wirst du dich jetzt benehmen, mein Sohn ?“
„Ja, ich denke schon.“
„Du solltest dir lieber ganz sicher sein.“
„Okay. Ich bin mir ganz sicher - scheißsicher.“
„Und halt dein Mundwerk im Zaum !“
Ich gab ihm keine Antwort. Alter Esel …
„Du bist ein Experiment für uns, Junge. Wir haben schon auf mehrfache Weise versucht, einen von euch hier herunterzuholen. Wir haben gute Leute hinaufgeschickt, die einen von euch kleinen miesen Burschen einfangen sollten, aber sie sind nie zurückgekommen. Deshalb kamen wir auf die Idee, einen von euch zu uns herunterzulocken.“
Ich grinste höhnisch. Diese Quilla June … Mit der würde ich schon noch abrechnen.
Eine der Frauen, die etwas jünger als die Hakennase war, trat vor und schaute mir ins Gesicht. „Lew, den wirst du niemals kleinkriegen. Das ist ein schmutziger kleiner Killer. Sieh dir doch nur seine Augen an !“
„Soll ich dir mal einen Gewehrlauf in den Arsch rammen, du Hure ?“ fragte ich, und sie sprang zurück. Lew war wieder böse auf mich. „Tut mir leid“, sagte ich, „aber ich lasse mich nicht gern beschimpfen.“
Er lehnte sich wieder zurück und fuhr die Frau an: „Mez, laß ihn in Ruhe ! Ich versuche ihm Vernunft beizubringen, und du machst alles noch schlimmer.“
Mez setzte sich wieder zu den anderen. Es hätte mich wirklich mal interessiert, was für „bessere Geschäfte“ diese Widerlinge hier betrieben.
„Wie gesagt, du bist für uns ein Experiment, mein Junge“, fuhr Lew fort. „Wir leben schon seit fast zwanzig Jahren hier unten in Topeka. Es ist hübsch hier, ordentlich und sauber. Lauter nette Leute, die einander respektieren, kein Verbrechen, Achtung vor älteren Menschen - alles in allem ein schöner Ort, wo sich´s gut leben läßt. Wir vermehren uns, unser Wohlstand wächst.“
Ich wartete.
„Aber - nun ja, wir haben herausgefunden, daß ein Teil der Stadtbewohner keine Babies bekommen kann. Und die Frauen, die welche kriegen, bringen fast nur Mädchen zur Welt. Wir brauchen Männer - eine besondere Spezies von Männern.“
Ich fing zu lachen an. Das war zu schön, um wahr zu sein. Sie wollten mich als Zuchthengst engagieren. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lachen.
„Ordinär“, meinte eine Frau mit gerunzelter Stirn.
„Das ist schon peinlich genug für uns alle, Junge - mach es uns nicht noch schwerer“, sagte Lew verlegen.
Da hatte ich einen Großteil meiner und Bloods Zeit auf der Oberfläche verschwendet, um Mädchen aufzustöbern, und hier unten wollten sie, daß ich die ortsansässigen Damen bestieg. Ich setzte mich auf den Boden und lachte, bis mir die Tränen über die Wangen rollten. Schließlich stand ich wieder auf und sagte: „Klar. Okay. Aber wenn ich das mache, will ich auch was dafür haben.“
Lew sah mich aufmerksam an.
„Erstens will ich diese Quilla June haben. Ich werde sie blind bumsen, und dann werde ich sie auf den Schädel hauen, so wie sie es mit mir gemacht hat.“
Sie flüsterten eine Weile miteinander, dann wandte sich Lew wieder an mich. „Wir können hier unten keine Gewaltakte dulden, aber ich glaube, du kannst mit Quilla June genausogut anfangen wie mit jeder anderen. Sie ist doch befruchtungsfähig, nicht wahr, Ira ?“
Ein dürrer Mann mit gelblicher Haut nickte. Er sah nicht allzu glücklich aus. Wahrscheinlich war das Quilla Junes Alter.
„Gut, dann fangen wir an“, sagte ich. „Die Puppen sollen sich mal in Reih und Glied aufstellen.“ Ich zog den Reißverschluß meiner Jeans auf.
Die Frauen kreischten, und die Männer packten mich und verfrachteten mich in ein Pensionszimmer. Sie sagten, ich sollte Topeka erst ein bißchen besser kennenlernen, bevor ich mit der Arbeit anfinge, denn die Sache sei - nun ja - hm - ahem - etwas peinlich, und sie müßten die Stadtbewohner erst dazu bringen, den Plan zu akzeptieren. Vermutlich wollten sie, falls ich meine Sache gut machen würde, noch weitere junge Zuchtbullen von der Oberfläche importieren und dann frei hier rumlaufen lassen.
So verbrachte ich also eine gewisse Zeit damit, die Leute von Topeka kennenzulernen, mir anzuschauen, was sie taten und wie sie lebten. Es war nett, wirklich nett. Sie saßen in Schaukelstühlen auf ihren Veranden, harkten ihre Rasenflächen, warteten an der Tankstelle, steckten Münzen in Kaugummimaschinen, malten einen weißen Streifen in der Straßenmitte, verkauften Zeitungen an den Ecken, lauschten einer Rumtata-Kapelle, die in einem Park spielte, spielten Tempelhüpfen und Verstecken, polierten ein Feuerwehrauto, saßen auf Bänken und lasen, putzten Fenster, zogen vor den Damen die Hüte, sammelten Milchflaschen in Drahtkörben, striegelten Pferde, warfen Stöcke, die von Hunden apportiert wurden, sprangen ins Gemeindeschwimmbecken, schrieben mit Kreide Gemüsepreise auf Tafeln vor den Lebensmittelläden, gingen Hand in Hand mit den häßlichsten Puppen spazieren, die ich je gesehen hatte, und langweilten mich fast zu Tode.
Nach einer Woche hätte ich am liebsten gebrüllt.
Ich fühlte, wie sich die Konservendose immer enger um mich schloß.
Ich spürte das Gewicht der Erde über mir.
Sie aßen künstliche Scheiße - künstliche Erbsen und falsches Fleisch und nachgemachte Hühner und Ersatzgetreide und unechtes Brot, und ich fand, daß das alles wie Kalk und Staub schmeckte.
Und die Höflichkeit? Jesus, mir kam das Kotzen, wenn ich mir den verlogenen, heuchlerischen Unsinn anhörte, der da als Höflichkeit bezeichnet wurde. Hallo, Mr. Dies, und hallo, Mrs. Das. Wie geht es Ihnen ? Und wie geht´s der kleinen Janie ? Und was machen die Geschäfte ? Sie kommen doch am Donnerstag zur Genossenschaftsversammlung ? Und ich fing in meinem Pensionszimmer wirres Zeug zu reden an.
Der nette, saubere, hübsche Lebensstil konnte einen umbringen. Kein Wunder, daß die Männer keinen hochkriegten und keine Babies machen konnten, die Eier statt Schlitze hatten.
In den ersten paar Tagen beobachteten sie mich alle, als ob ich jeden Augenblick explodieren und ihre schönen, weißgestrichenen Zäune vollscheißen könnte. Aber nach einer Weile gewöhnten sie sich an mich. Lew ging mit mir in einen Laden und staffierte mich mit einer Latzhose und einem Hemd aus, das jeder Solo schon von weitem sehen konnte. Diese Mez, das verrückte Weibsstück, das mich als Killer bezeichnet hatte, hing ständig um mich rum und sagte schließlich, daß sie mir die Haare schneiden wollte, damit ich ein bißchen zivilisierter aussähe. Aber ich wußte, daß sie auf ganz was anderes versessen war. Jedenfalls waren es keine mütterlichen Gefühle, die sie für mich hegte.
„Was ist denn los mit dir, du Hure ?“ fragte ich. „Kann´s dein Alter nicht mehr ?“
Sie versuchte sich die Faust in den Mund zu stecken, und ich lachte wie ein Irrer.
„Du kannst ja seine Eier abschneiden, Baby. Mein Haar bleibt jedenfalls so, wie´s ist.“ Sie rannte davon, als hätte sie einen Dieselmotor im Hintern.
Und so ging es noch eine ganze Weile weiter. Ich spazierte herum, und sie kamen zu mir und fütterten mich und hielten die Puppen unter Verschluß, weil sie erst noch warten mußten, bis die Stadt mit ihren Plänen einverstanden war.
Und weil ich so vor mich hin schmorte, schnappte ich für ein paar Tage über. Ich bekam Platzangst und fühlte mich wie ein Gefangener, und ich saß stundenlang im Dunkeln unter der Veranda der Pension. Dann ging diese Phase vorüber, und ich wurde hundsgemein und schrie sie an. Dann wurde ich sauer und danach ganz still.
Schließlich fing ich an, mir zu überlegen, wie ich fliehen konnte. Es begann, als ich mich an den Pudel erinnerte, mit dem ich Blood einmal gefüttert hatte. Der mußte aus einer Unterregion gekommen sein. Durch den Fallschacht konnte er nicht hinauf geflogen sein, also mußte es andere Ausgänge geben.
Nach einiger Zeit ließen sie mich überall frei herumlaufen - solange ich mich ordentlich benahm. Dieser grüne Wachkasten war immer irgendwo in der Nähe.
Und so fand ich den Ausgang. Es war nichts Spektakuläres, aber ich wußte, daß es eine Fluchtmöglichkeit geben mußte, und ich fand sie auch.
Dann entdeckte ich, wo sie meine Waffen aufbewahrten, und ich war bereit. Fast.

9
Eine Woche später kamen Aaron, Lew und Ira an, um mich zu holen. Inzwischen war ich schon reichlich verblödet. Ich saß auf der Hinterveranda der Pension, rauchte eine Maiskolbenpfeife und hatte das Hemd ausgezogen, um mich ein bißchen zu sonnen. Aber da war keine Sonne. Blöd.
Sie kamen um das Haus herum. „Guten Morgen, Vic“, begrüßte mich Lew. Er humpelte mit einem Stock daher, der alte Furz. Aaron schenkte mir ein breites Lächeln. Die Art von Lächeln, mit dem man einen großen schwarzen Bullen aufmuntert, wenn man sein Ding in eine gute Zuchtkuh stecken will. Und Ira trug eine Miene zur Schau, die hätte man abhacken und als Brennholz verwenden können. „Oh, hallo, Lew ! Guten Morgen, Aaron - Ira …“
Damit war Lew sichtlich zufrieden.
Oh, ihr lausigen Bastarde, wartet nur !
„Bist du bereit, zu deiner ersten Dame zu gehen ?“
„Aber gern, Lew !“ sagte ich und stand auf.
„Ein guter Tabak, was ?“ fragte Aaron.
Ich nahm die Maiskolbenpfeife aus dem Mund. „Das reinste Vergnügen“, erwiderte ich lächelnd. Ich hatte das verdammte Ding nicht einmal angezündet.
Sie führten mich rüber in die Marigold Street, und als wir zu einem kleinen Haus mit gelben Fensterläden und einem weißen Pfahlzaun kamen, erklärte Lew: „Hier wohnt Ira. Quilla June ist seine Tochter.“
„Also gut - dem Vaterland zuliebe“, sagte ich mit großen Augen.
Iras dünne Kinnmuskeln begannen zu zucken.
Wir gingen hinein. Quilla June saß auf einem Sofa, neben ihrer Mutter, einer älteren, dünnen, verwelkten Ausgabe von Quilla June. „Mrs. Holmes“, sagte ich und machte eine kleine Verbeugung. Sie lächelte - gezwungen, aber immerhin, sie lächelte.
Sie hatte die Füße ordentlich nebeneinander gestellt und die Hände im Schoß gefaltet. Ihr Haar war mit einem Band geschmückt. Es war blau und paßte zu ihren Augen. In meinem Magen krampfte sich irgendwas zusammen. „Quilla June“, sagte ich.
Sie hob den Kopf. „Guten Morgen, Vic.“
Dann standen alle verlegen herum, und schließlich begann Ira zu kreischen und zu plärren, wir sollten doch endlich ins Schlafzimmer gehen und diese schmutzige Untat hinter uns bringen, damit sie dann alle in die Kirche gehen und Gott den Herrn anflehen konnten, er möge ihnen keine Donnerblitze in die Ärsche schießen und sie alle tot umfallen lassen - oder so ähnlich.
Also streckte ich die Hand aus, und Quilla June griff danach, ohne aufzublicken, und wir gingen in ein kleines Schlafzimmer im Hintergrund des Hauses, und dann stand sie da, mit gesenktem Kopf.
„Du hast es ihnen nicht erzählt, was ?“ fragte ich.
Sie schüttelte den Kopf.
Und plötzlich wollte ich sie gar nicht mehr umbringen. Ich wollte sie festhalten. Ganz fest. Und das tat ich auch. Und sie schluchzte an meiner Brust und trommelte mit ihren kleinen Fäusten auf meinen Rücken. Und dann sah sie zu mir auf, und die Worte sprudelten nur so aus ihr heraus. „O Vic, es tut mir so leid, so furchtbar leid, ich wollte es nicht, aber ich mußte es tun, und ich hatte solche Angst, und ich liebe dich, und jetzt haben sie dich hier heruntergeholt, und es ist nicht schmutzig, es ist nicht so, wie mein Daddy sagt, nicht wahr ?“
Ich hielt sie fest und küßte sie und sagte ihr, daß alles okay wäre. Und dann fragte ich sie, ob sie mit mir weglaufen wollte, und sie sagte ja-ja-das-wollte-sie-wirklich. Und so sagte ich ihr, daß ich ihrem Daddy weh tun müßte, damit wir fliehen könnten, und da trat ein Ausdruck in ihre Augen, den ich gut kannte.
Denn trotz ihrer Wohlanständigkeit mochte Quilla June ihren gottesfürchtigen Daddy nicht besonders gern.
Ich fragte sie, ob sie irgendwas Schweres hätte, vielleicht einen Kerzenhalter oder einen Knüppel, und sie sagte, nein, das hätte sie nicht. Also durchwühlte ich das kleine Schlafzimmer und fand in einer Schublade ein Paar Socken von ihrem Daddy. Ich zog die großen Messingkugeln vom Kopfteil des Bettes und stopfte sie in einen Socken. Dann steckte ich das Ding ein.
Sie starrte mich mit großen Augen an. „Was hast du vor ?“
„Du willst doch hier raus, oder ?“
Sie nickte.
„Dann bleib hinter der Tür stehen … Nein, wart mal - ich habe eine bessere Idee. Leg dich aufs Bett.“
Sie legte sich hin. „Okay“, sagte ich. „Und jetzt zieh den Rock hoch und das Höschen runter und mach die Beine breit.“ Sie sah mich entsetzt an. „Tu´s, wenn du hier raus willst“, sagte ich.
Also tat sie es, und ich arrangierte ihre Beine so, daß die Knie gebeugt und die Oberschenkel geöffnet waren. Dann stellte ich mich neben die Tür und flüsterte: „Und jetzt ruf deinen Daddy !“ Sie zögerte ziemlich lange, dann rief sie mit einer gequälten Stimme, die sie gar nicht zu simulieren brauchte: „Daddy ! Daddy ! Komm, bitte !“ Und dann kniff sie die Augen fest zusammen.
Ira Holmes kam herein, warf einen Blick auf den geheimen Ort seines Verlangens, seine Kinnlade klappte nach unten, ich warf die Tür hinter ihm zu und schlug ihn nieder, so fest ich konnte. Er blutete ein bißchen und besudelte das Bett, und dann ging er zu Boden.
Sie öffnete die Augen, als sie den Aufprall hörte, und als sie das Blut auf ihren Beinen sah, beugte sie sich über den Bettrand und übergab sich. Ich wußte, daß sie mir nicht helfen würde, Aaron ins Zimmer zu locken, und so öffnete ich die Tür, steckte den Kopf hinaus, setzte eine besorgte Miene auf und sagte: „Aaron, würden Sie mal bitte kommen ?“ Er sah Lew an, der mit Mrs. Holmes gerade besprach, was wohl im Schlafzimmer vorgehen mochte, und als Lew ihm zunickte, kam er zu uns herein. Er warf einen Blick auf Quilla Junes nackten Busen, auf das Blut an der Wand und auf dem Bett, auf Ira, der am Boden lag, und öffnete den Mund, um zu schreien - gerade in dem Augenblick, als ich ihm eins über den Schädel gab. Ich mußte noch zweimal zuschlagen, bevor er umfiel, und dann mußte ich ihn in die Brust treten, um ihn zur Seite zu schieben. Quilla June erbrach sich immer noch.
Ich packte sie am Arm und zog sie vom Bett. Wenigstens war sie still - aber o Mann, sie stank. „Komm !“
Sie wollte sich losreißen, aber ich hielt sie fest und öffnete die Schlafzimmertür. Als ich sie hinauszerrte, stand Lew auf und stützte sich auf seinen Stock. Ich gab dem Stock einen Tritt, und der alte Furz brach zu einem kleinen Häuflein zusammen. Mrs.Holmes starrte uns an und fragte sich wohl, wo ihr Alter war. „Er ist da hinten im Schlafzimmer“, sagte ich und ging zur Haustür. „Der liebe Gott hat ihn auf den Kopf geschlagen.“ Dann waren wir auf der Straße, und Quilla June trottete hinter mir her, stinkend und keuchend und heulend und wunderte sich wahrscheinlich, wo ihre Unterhose war.
Sie bewahrten meine Waffen in einem versperrten Schrank im Büro für Bessere Geschäfte auf, und wir gingen an meiner Pension vorbei, wo ich das Brecheisen, das ich in der Tankstelle gestohlen hatte, unter der Hinterveranda hervorzog. Dann durchquerten wir den kleinen Park, gingen in den Geschäftssektor und geradewegs ins Büro für Bessere Geschäfte. Da war ein Bürodiener, der mich aufhalten wollte, und ich spaltete ihm mit der Brechstange den Kürbis. Dann zertrümmerte ich in Lews Büro das Schloß des Schranks, nahm die .30-06, den .45er, die Munition, meinen Spieker, mein Messer und mein Apothekenkästchen heraus. Inzwischen war Quilla June wieder halbwegs bei Sinnen.
„Wohin gehen wir jetzt ? Wohin gehen wir jetzt ? O Daddy ! ODaddy ! O Daddy …“
„He, hör mir mal zu, Quilla June. Laß mich mit deinem Daddy in Ruhe ! Du hast gesagt, daß du mit mir kommen willst - und ich gehe jetzt rauf, Baby. Und wenn du mich begleiten willst, dann halt den Mund, ja !“
Sie war zu verschreckt, um zu widersprechen.
Ich gab ihr den .45er, und sie nahm ihn und inspizierte ihn ganz genau.
Ich verließ das Haus durch die Vordertür, und da kam der grüne Wachkasten wie ein Rennhund angesaust. Er streckte die Kabel aus, und die Fäustlinge waren alle verschwunden. Jetzt steckten Widerhaken dran.
Ich fiel auf ein Knie, wickelte mir die Schlinge der .30-06 um den Unterarm, zielte und feuerte in das große Auge an der Vorderseite des Kastens. Ein Schuß - peng !
Ich traf das Auge, das Ding explodierte in einem Funkenregen, und der grüne Kasten kam ins Schleudern und raste ins Schaufenster des Textilgeschäfts, kreischte und brüllte und übersäte den ganzen Laden mit Flammen und Funken. Sehr hübsch.
Ich wandte mich um und wollte Quilla June packen, aber sie war verschwunden. Ich blickte die Straße hinab, und da kamen die Mitglieder des Überwachungsausschusses an, nicht zuletzt Lew, der an seinem Stock einherhumpelte wie ein gespenstischer Grashüpfer.
Und dann krachten die Schüsse - ohrenbetäubende, dröhnende Schüsse. Es war der .45er, den ich Quilla June gegeben hatte. Ich sah nach oben, und da stand sie auf der Galerie im zweiten Stock, hatte die Kanone wie ein Profi aufs Geländer gelegt und zielte auf den Mob, feuerte einen Schuß nach dem anderen ab, wie Wild Bill Elliot in einem Republikfilm der vierziger Jahre.
Aber wie blöd sie war … Verschwendete ihre Zeit mit diesem Unsinn, wo wir doch abhauen mußten …
Ich fand die Außentreppe und rannte hinauf, nahm immer drei Stufen auf einmal. Sie lächelte und lachte, und jedesmal, wenn sie einen von diesen Tölpeln aufs Korn nahm, fuhr ihre kleine Zungenspitze aus einem Mundwinkel, ihre Augen wurden ganz schmal und glasig und - peng ! - der Bursche ging zu Boden.
Sie hatte sich richtig reingesteigert.
In dem Augenblick, da ich sie erreichte, zielte sie auf ihre dürre Mutter.
Ich schlug sie auf den Hinterkopf, und der Schuß ging daneben. Die alte Dame machte ein paar Tanzschritte, dann ging sie weiter. Quilla June fuhr zu mir herum, und in ihren Augen lag die nackte Mordlust. „Du bist schuld, daß ich danebengeschossen habe.“ Ihre Stimme jagte mir einen Schauer über den Rücken.
Ich nahm ihr den .45er weg. Blöd, so viel Munition zu verschwenden.
Dann zerrte ich sie hinter mir her, ging um das Haus herum, fand dahinter einen Schuppen, sprang auf sein Dach hinab und bedeutete ihr, daß sie mir folgen sollte. Sie lachte wie ein Vogel und ließ sich fallen. Ich fing sie auf, und wir rutschten zur Tür des Schuppens runter und nahmen uns ein paar Sekunden Zeit, um festzustellen, wie dicht uns der Mob auf den Fersen war. Niemand war zu sehen.
Ich packte Quilla June am Arm und brach zum Südrand von Topeka auf. Dort befand sich der nächstliegende Ausgang, den ich auf meinen Wanderungen entdeckt hatte, und wir schafften es in fünfzehn Minuten, keuchend und geschwächt wie neugeborene Katzen.
Und da war sie. Eine große Lufteintrittsröhre.
Ich löste die Eisenklammern am Einstieg mit der Brechstange, und wir stiegen hinein. Leitern führten nach oben. So mußte es auch sein. So ähnlich hatte ich mir das vorgestellt. Alles war sauber und in Ordnung. Mußte in Ordnung sein … Wir fingen zu klettern an.
Es dauerte sehr, sehr lange.
Immer, wenn Quilla June zu müde war, um weiterzuklet-tern, fragte sie: „Vic, liebst du mich ?“ Und ich sagte jedesmal ja. Nicht nur, weil ich es ernst meinte, sondern auch, weil es ihr Kraft gab und weil sie dann weiterklettern konnte.

10
Wir kamen etwa eine Meile vom Fallschacht entfernt an die Oberfläche. Ich zerschoß den schmutzigen Deckel und die Riegel, und wir stiegen hinaus. Die da unten hätten es besser wissen müssen. Mit Jimmy Cagney war nicht zu spaßen. Sie hatten gar keine Chance.
Quilla June war erschöpft, und das nahm ich ihr auch nicht übel. Aber ich wollte die Nacht nicht im Freien verbringen. Hier draußen gab es einige Gestalten, denen ich nicht einmal bei Tag begegnen wollte. Und es begann schon zu dämmern.
Wir gingen zum Fallschacht.
Blood wartete. Er sah schwach aus, aber er wartete. Ich bückte mich, und er hob den Kopf. Er öffnete die Augen und sagte ganz leise: „Hallo.“
Ich lächelte ihn an. Jesus, tat das gut, ihn wiederzusehen ! „Wir haben es geschafft. Wir sind wieder da, Mann.“
Er versuchte aufzustehen, aber er konnte es nicht. Seine Wunden sahen ziemlich übel aus. „Hast du was gegessen ?“ fragte ich.
„Nein. Gestern habe ich eine Eidechse erwischt - oder vielleicht war es vorgestern. Ich bin hungrig, Vic.“
Dann kam Quilla June zu uns, und Blood sah sie. Er schloß die Augen. „Wir müssen uns beeilen, Vic“, sagte sie. „Bitte ! Vielleicht kommen sie durch den Fallschacht herauf.“
Ich versuchte Blood hochzuheben. Aber er war schwer wie Blei. „Hör mal, Blood, ich laufe rasch in die Stadt und hole dir was zu essen. Ich bin gleich wieder da. Du wartest hier.“
„Geh nicht in die Stadt, Vic“, sagte er. „An dem Tag, nachdem du runtergefallen bist, habe ich mich drinnen umgesehen. Sie haben rausgefunden, daß wir nicht im Turnsaal verbrannt sind. Vielleicht haben die Hunde unsere Fährte gerochen. Ich habe Wache gehalten, und sie haben nicht versucht, uns hier heraus zu folgen. Das kann ich verstehen. Du weißt gar nicht, wie´s hier draußen bei Nacht ist … Mann, du weißt es nicht. …“ Er schauderte.
„Nimm´s nicht so schwer, Blood.“
„Aber in der Stadt sind sie ganz scharf auf uns, Vic. Wir können nicht mehr zurück. Wir müssen woandershin gehen.“
Das war ein bißchen schwierig. Wir konnten nicht zurückkehren, und da Blood in einem so miserablen Zustand war, konnten wir auch sonst nirgendwohin gehen. Und wenn ich auch ein guter Solo war, ich wußte, daß ich es ohne ihn niemals schaffen würde. Ich eignete mich nicht zum Boxer. Und hier draußen gab es nichts zu essen. Aber er mußte sofort was essen, und er mußte medizinisch versorgt werden. Ich mußte was tun. Ich mußte was tun, das gut und richtig war - und zwar schnell.
„Vic !“ Quilla Junes Stimme klang hoch und weinerlich. „Komm ! Es wird ihm schon nichts passieren. Wir müssen uns beeilen.“
Ich sah zu ihr auf. Die Sonne ging unter. Das Blut prickelte in meinen Adern.
Sie hatte einen vorwurfsvollen Zug um die Lippen. „Wenn du mich liebst, dann kommst du jetzt mit mir !“
Ohne ihn würde ich es hier draußen nicht schaffen. Das wußte ich. Wenn ich sie liebte … Sie hatte mich im Boiler gefragt: Weißt du, was Liebe ist ?

Es war ein kleines Feuer, nicht annähernd so groß, daß es eine Räuberbande vom Stadtrand aus sehen könnte. Kein Rauch stieg auf, und nachdem Blood seinen Bauch gefüllt hatte, trug ich ihn eine Meile weit, bis zur Lufteintrittsröhre. Darin verbrachten wir die Nacht, auf einem kleinen Mauervorsprung. Ich hielt ihn die ganze Nacht in den Armen. Er schlief tief und fest. Am nächsten Morgen brachte ich ihm was Gutes zu essen. Er würde es schaffen, denn er war sehr stark.
Er aß wieder. Vom vergangenen Abend war ziemlich viel übriggeblieben. Aber ich aß nichts. Ich hatte keinen Hunger.
Wir mußten ganz langsam gehen, weil Blood immer noch humpelte. Es dauerte lange, bis ich ihre Stimme nicht mehr im Kopf hörte - diese Stimme, die mich immer wieder fragte und fragte: Weißt du, was Liebe ist ?
Klar weiß ich das.

Ein Junge liebt seinen Hund.Image

über Albert Payson Terhune


Gelesen in:
Science Fiction
Harlan Ellison
Ein Junge und sein Hund
Ein Playboy Taschenbuch
Moewig Verlag
ISBN 3-8118-6723-7

Diese Geschichte ist auch,
In etwas anderer Übersetzung,
unter dem Titel "Des Menschen bester Freund" in
LIEBE 2002
erotic sience fiction
Fischer Orbit
FO 22 ISBN 3 436 01687 x
zu finden.

Beachte auch B.Travens Story
"Die Seele eines Hundes ".